Im Zauber der Ferne

Der Gesang der Wale

Ideale Bucht zum Balzen und Kalben

Weiß und fauchend schießt die Fontäne aus dem Wasser, dann zeigt sich unverhofft ein mit weißen Flecken besetzer Bauch an der Wasseroberfläche, von wo zwei Flossen entschlossen winken, als applaudiere das Säugetier seinen eigenen akrobatischen Schwimmkünsten. Trotz seiner Größe ist der Wal extrem aktiv, „sailt“ mit der Schwanzflosse minutenlang in der Bucht auf und ab oder springt übermütig aus den tanzenden Wellen durch die Luft - The Dark of the Diver. Wie alle Wale siebt er die Nahrung mit den Barten am Grund des Meeres und ernährt sich von Plankton, Ruderfluss- und Leuchtkrebsen.

Sie kommen aus den eisigen Gewässern der Antarktis, ganz eilige im Juni: Buckelwale, Glatt- und Brydewale. Sie kommen in die Walker Bay zum Balzen und Kalben. Der Gesang der Wale lockt die Weibchen, die häufig größer sind als ihre männlichen Artgenossen. Der Nachwuchs wiegt bei Geburt 900 Kilo, ist 6 Meter lang, nimmt täglich bis zu 600 Liter Muttermilch auf und verschwindet Richtung Süden, wenn er 4 Tonnen Eigengewicht erreicht hat. Erst dann sind die Kälber kräftig genug für die lange Reise in die Antarktis, ihre eigentliche Heimat.

Logenplatz am Meer

De Kelders gilt als eine der besten Plätze in Afrika für de Beobachtung der Wale, erklären Stanley und Lainy. Sie heißen ihre Gäste zum Sonnenuntergang auf der Terrasse wie langjährige Freunde willkommen. Stanley lacht nach jedem Satz, den er dank seiner fränkischen Großeltern in Deutsch locker mit deutschsprachigen Gästen wechselt. Buntes Hemd und kurze Hose geben sonnengebräunte Arme und Beine preis, das dunkelbraune Haar trägt er, zu einem Zopf gebunden, straff nach hinten gekämmt. Der aus Swakopmund stammende Namibier hat sein erstes Hotel im südafrikanischen Paarl eingetauscht für einen Logenplatz am Meer: die Whalesong Lodge – ein intimes, liebevoll geführtes Gästehaus am wild-romantischen Cliff De Kelders mit Blick auf die malerische Walker Bay, ein Naturreservat mit einsamen Stränden, bizarren Felsen, weitläufigen Sanddünen und blühenden Fynbos. Es erstreckt sich im weiten Bogen von Hermanus bis Gansbaai, einem verträumten Fischernest, das durch die weißen Haie weltbekannt wurde.

Gästehaus am wild-romantischen Cliff

Die Whalesong Lodge steht in erster Reihe an der Cliff Street mit unverbaubarem Blick auf das Meer. Der lichtdurchflutete Salon ist Treffpunkt der Gäste und besitzt in der Mitte einen nach beiden Seiten offenen Kamin, der rechts und links mit Büchern und Holzscheiten in hohen Regalen eingerahmt wird. Die gemütliche Sitzecke ist ausgeschmückt mit immergrünem Blattwerk, bunten Blumengestecken und blühenden Proteen, die Artischocken gleichen. Unter der staubfreien Glasscheibe des Couchtisches haben Stanley und Lainy Muscheln und Seesterne drapiert, die sie auf ihren langen Winterspaziergängen am Strand gefunden haben. Übernachtet wird in hellen, freundlichen Zimmern, alle ausgestattet mit einem kleinen Balkon. Die hübschen Unterkünfte sind bequem und praktisch eingerichtet, wobei das Bad als offener Bereich hinter einer halbhohen Trennmauer in den Raum integriert ist.

Tafelfreuden

Gespeist wird in geselliger Runde, ganz familiär. Stanleys ambitionierter Küchenchef serviert zum Salat Riesengarnelen und selbst gebackenes Brot. Es gibt geräucherte Forelle an Fenchel-Risotto, Kudu- und Straußenfilet mit erntefrischen Kräutern und jungen Kartoffeln, knuspriges Huhn und Monkfisch aus der Pfanne, Kartoffelbrei mit Senf, gebackene Karotten, gedämpfte Auberginen, und zum Nachtisch Nektarinen- und Apfelkompott mit Vanille- und Honigcreme. Der Tisch ist reich gedeckt, die Auswahl riesig, die Portionen üppig, der Wein süffig. Die Schar mitteilungsbedürftiger Gäste kommt aus München, Kempten, Mainz und Hamburg. Offensichtlich hat die reiche Tierwelt in Südafrika ihre Phantasie beflügelt. Ihren Erzählungen zufolge sind sie allesamt muterprobte Abenteurer und erfahrene Jäger. Das Tischgespräch dreht sich um braune Bären, flinke Luxe, heulende Wölfe und segelnde Steinadler, die man in der deutschen Heimat beobachtet, gejagt und erlegt haben will. Nichts gegen die gefürchteten weißen Haie und dunklen Giganten der Meere, versteht sich, nach denen die abenteuerlustigen Gäste gleich morgen in den gefährlichen Gewässern vor der Küste tauchen und Ausschau halten werden.

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Text: Renato Diekmann, Fotos: Renato Diekmann, South Africa Tourism (SAT), Friedrich Frühling/pixelio