Im Zauber der Ferne

Flitterwochen im Weinberg

Vom Manager zum Landgutbesitzer

Kostbare Antiquitäten aus aller Welt schmücken die traditionsreichen Räume der über 300-jährigen Farm im Herzen der Weinregion Südafrikas. Gesammelt von Fred Uhlendorff. Früher Unternehmensberater, heute zufriedener Landgutbesitzer, der Urlaubsgäste verwöhnt, aber auch Hochzeiten und Flitterwochen arrangiert. Heiner Lauterbach und Ehefrau Viktoria waren schon da. Auch heiratswillige Gays sind willkommen, seitdem in Südafrika ein Gesetz die Eheschließung unter Männern erlaubt.

Champagnerempfang im Garten Eden

 

Das Palmiet Valley Estate, ein bis ins Detail restauriertes Gebäude-Ensemble, liegt malerisch zu Füßen von Klein Drakenstein. Das kleine Paradies mit vier blendend weißen, reetgedeckten Herrenhäusern, erbaut im kapholländischen Stil, ist umgeben von einem märchenhaften Park mit blühenden Jacarandas sowie einem duftenden Kräuter- und Blumengarten. Im Seerosenteich quaken Frösche. Fischreiher, Enten und Webervögel posieren vor den Rosen um die Wette, und Konrad, einer der Hunde, weicht mir beim Abschreiten des großzügigen Anwesens nicht von der Seite. Soweit das Auge reicht, Weinfelder, Guava-Plantagen und Olivenhaine. Sie reichen bis zu den drei kuppelförmigen Felsen von Klein Drakenstein, einer Bergkette im Osten. Am Schönsten aber sind die Sonnenuntergänge im Sommer. Dann empfängt Fred Uhlendorff seine Gäste mit prickelndem Champagner und einem atemberaubenden Ausblick auf die grandiose Bergkulisse. Romantischer kann das Leben nicht sein!

 

 

 

 

Oldtimer, Ainsley-Porzellan und afrikanisches Silber

 

Passend zum romantischen Ambiente gibt es liebevoll gepflegte Oldtimer - Uhlendorffs ganzer Stolz. Er fährt am Liebsten das Mercedes Cabrio 220 S und die 300er Limousine, in der früher der Staatspräsident Venezuelas und heute frisch vermählte Ehepaare standesgerecht chauffiert werden. „Alles in Eigenregie erstellt“, betont der Autodidakt und weist auf seinen Landsitz. Das gilt auch für Uhlendorffs süffigen Rotwein, den er aus den Reben im kühlen Kellergewölbe keltert, für das kalt gepresste Öl aus den Oliven und die Guava-Marmelade für das Toastbrot am Morgen. Das Frühstück unter freiem Himmel ist herrlich und ein Geschenk für den Tag! Schon der Tisch, stilvoll mit kostbarem Ainsley-Porzellan und antikem afrikanischen Silber gedeckt, dekoriert mit Rosenblättern und zartem Grün aus dem Garten, ist Grund genug, für immer hier zu bleiben. In solch einer wunderbaren Umgebung werden die hausgemachten Konfitüren und die kunstvoll zelebrierten Eierspeisen zu einem kulinarischen Erlebnis. Im Schatten der betagten Eichen sitzt man gern und lauscht dem Gesang der Vögel in den gewaltigen Kronen der Bäume, deren Zweige bis in den Himmel ragen.

 

Abenteuer-Picknick

 

Rund um Palmiet Valley Estate warten Abenteuer und Sehenswürdigkeiten. Einige liegen in der nahe gelegenen Stadt Paarl, die ihren Namen von den Granitkuppen herleitet, die wie Perlen glänzen, wenn die Sonne morgens auf die feuchten Felsen scheint. Hoch am Berg steht das Wahrzeichen der Stadt: das Taal-Monument, Denkmal und Museum für die Sprache Afrikaans, die aus dem Idiom der holländischen Einwanderer entstanden ist.

An Paarl’s Main Road gibt es traditionelle Häuser und die schöne, strohgedeckte „Strooidakkerk“ aus dem Jahre 1805. Mit stattlichen 11 km ist diese Straße die längste des Landes mit zahlreichen Restaurants. Frisch schmecken hier die Austern aus Knysna zu Champagner aus Frankreich und der Bouillabaisse im Restaurant „Marcs“, 129 Main Road.

Besonders reizvoll ist das Picknick auf dem Rasen von Boschendal, einem Weingut wie aus dem Bilderbuch, mit wunderschöner, klassischer Allee. In den vorbestellten Lunchkörben befinden sich leckere Pasteten, Baguette und die obligatorische Flasche Boschendal-Wein. Nach dem Imbiss im Grünen bin ich fit für einen Bummel durch Stellenbosch, Südafrikas älteste Universitätsstadt. Nirgendwo sonst gibt es so viele historische Gebäude, besonders malerisch in der Dorp Straat. Kap-Gouverneur Simon von der Steel hat sie 1679 gegründet, erkannte früh die Fruchtbarkeit im weiten Tal des Eerste River und legte den Grundstein für ein Weinbaugebiet nahe der Stadt.

 

Charmanter Gastgeber für charmante Gäste

 

Am Abend kehre ich erfüllt von all den Eindrücken zurück ins Palmiet Valley Estate, wo Konrad und Rocky Schwanz wedelnd die Gäste zum Dinner geleiten. Der Tisch ist ebenso liebevoll gedeckt wie am Morgen. Kerzenschein taucht das romantische Szenario unter den Eichen in ein geheimnisvolles Licht. Es wird getafelt und gelacht inmitten einer prachtvollen Kulisse, zu der auch die Gerichte gut harmonieren.

 

Im Himmelbett träumen

 

Wie die Lounge und der Salon im Manor House sind auch die Zimmer in den Nebengebäuden mit ausgesuchten Antiquitäten eingerichtet. Das gemütliche Ambiente reicht bis ins Badezimmer. Die Poesie der dort lose verstreuten Blütenblätter passt zu den antiken Armaturen an Dusche und Waschbecken. Unter dem hohen Reetdach der alten Weinfarm schläft man wie in Abrahams Schoß. Es träumt sich süß in den weichen Daunen der Himmelbetten, begleitet vom Duft eines Kräutleins, das statt der üblichen Schokolade auf dem gestickten Kopfkissen bereit liegt. Konrad und Rocky liegen direkt vor der Tür. Die beiden Rhodesian-Rigdebacks sind wie geschafften, um über dieses romantische Kleinod am Rande der Stadt zu wachen.

 

 

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Text. Renato Diekmann, Fotos: Renato Diekmann, Palmiet Valley Estate (2)