Im Zauber der Ferne

Das Paradies hat seinen Preis

Auf dem Markt des Lebens

Auf dem „Marché“, dem großen überdachten Markt Tahitis, brummt es wie in einem Bienenkorb. Im Erdgeschoss werden die Agrarprodukte des Landes angeboten – Kiwis, Bananen, Mangos, Papayas und viele andere tropische Früchte. Die Fischstände biegen sich unter der Last der Mahi Mahi, Thunfische, Schwertfische und in allen Farben schillernder Papageifische. Babylonisches Stimmengewirr dringt aus allen Ecken. Hunderte von Passagieren internationaler Kreuzfahrtschiffe tummeln sich hier, um bunte Pareos mit Gauguin-Motiven und Muschelschmuck zu kaufen oder einfach Eindrücke dieses quirligen Marktes in sich aufzusaugen.

Die schönste Insel der Welt

Gemütlich und mit fast einstündiger Verspätung tuckert die Fähre in Richtung Moorea, die „schönste Insel der Welt.“ Sie gehört wie Tahiti, Faaa und Mahina zu den „Inseln „über dem Wind“ und ist, wie Rapaa versichert, ein Eiland, auf dem „man“ wohnt, abgeschieden vom Lärm und Schmutz Tahitis. Ein bunt bemalter Holzbus, Relikt aus Kolonialzeiten, bringt uns zum begehrtesten Fotostop der Insel, die Cook Bay. Diese tintenblaue Bucht mit den bizarren Bergspitzen im Hintergrund, in der Captain Cook 1769 seinen Anker warf, ist landschaftlich von einmaligem Reiz! Auch Cooks raue Matrosen erlagen auf Anhieb ihrem Charme.

Korallenriffe und schneeweiße Strände

Inselhüpfen hat Tradition auf den Gesellschaftsinseln, die einen Teil Französisch Polynesiens darstellen. Die kleine Maschine von Air Tahiti fliegt sehr tief und gewährt einzigartige Einblicke in die Welt der „Inseln unter dem Wind.“ Zu unseren Füßen dehnen sich Korallenriffe und schneeweiße Strände, umspült von kristallklarem Wasser, das je nach Sonneneinstrahlung schwarz, tiefblau und türkis aufblitzt. Unser Ziel ist Bora Bora. Im Pazifikkrieg spielte dieses Eiland eine wichtige Rolle. Die Amerikaner errichteten hier eine Basis und hinterließen in den Bergen einen Bunker und zwei Kanonen, die von den lokalen Führern auf Rundfahrten im Jeep vorgeführt werden. Auch diese Insel ist ein tropisches Paradies mit Palmen bestandenen Stränden und klarem Wasser, in dem es sich vorzüglich schnorcheln lässt. Prächtige, bizarr geformte Fische in allen Farben des Regenbogens geraten dem Taucher ins Visier.

Mit einem Einheimischen zum Fischefüttern

Wer Lust hat, geht mit einem Einheimischen zum Fischefüttern. Hier ist Rapaa in seinem Element. Mit seinem kleinen Boot fährt er uns hinaus an den Rand der Lagune. Und da tauchen sie auch schon auf – Lucy und Lilly, Rob und Bob, seine Freunde. Allesamt sind sie samtige Rochen, die den einen oder anderen Badenden auch gern spielerisch in den kleinen Finger zwicken. Plötzlich taucht ein Rudel Haie aus den blauen Fluten auf. „La, la, la, bleibt mal schön im Wasser“, rappt Rapaa. „Die fressen euch nicht.“ Auch diese eleganten Schwimmer mit der schwarz verbrämten Schwanzflosse sind ihm vertraut und werden jeden Tag mit frischen Fischbrocken gefüttert.

Bunte Blüten im Haar

Die umliegenden Inseln Huahine, Raiatea und Tahaa bieten ein ähnliches Landschaftsbild. Sie und die zahlreichen vorgelagerten „Motus“ sind vulkanischen Ursprungs. Das ehemalige Königreich Raiatea ist heute das beschauliche administrative Zentrum der westlichen Gesellschaftsinseln. Als wahrer Garten Eden gilt Tahaa mit seinen knapp 4.000 Insulanern, die einer sehr angenehmen Beschäftigung nachgehen. „Die arbeiten alle auf den Vanilleplantagen und haben tagein, tagaus mit Wohlgerüchen zu tun“, lacht Anita am Empfang unseres Hotels auf Bora Bora und steckt sich eine frische Hibiskusblüte ins Haar. Selbst den bulligen, über und über tätowierten Strandwächter Daniel sieht man nie ohne Blüte hinter dem Ohr.

Gepfefferte Preise

Unserem Zimmernachbarn, einem ehemaligen Studienrat aus Bonn, gefällt diese Mode: „Das putzt ungemein, hätte Thomas Mann gesagt“, deklamiert er, bevor er sich erneut über die horrenden Preise in diesem Teil der Welt erregt (Cheesburger mit Pommes 15 €, Dose Bier 7,50 €, Steak mit Beilagen 24 €), 2-Std.-Massage, Exotic Blütenbad und Rainshower 343 €). Leider hat er Recht. Französisch Polynesien ist unverschämt teuer. Das bekommen vor allem die Touristen zu spüren, die neben gepfefferten Preisen in Hotels und Restaurant noch eine Kurtaxe von täglich etwa Euro 1,30 entrichten müssen. Gut und nicht übertrieben teuer isst man übrigens im “Bloody Mary“, einem sehr originellen, von einem Amerikaner geführten Restaurant.

Schwertfisch in Vanillesauce

Hier schreitet der Gast barfuss auf silbrigem Sand und sitzt an glänzenden, aus Palmenholz gezimmerten Tischen. Das Angebot heimischer Fische ist überwältigend: Der Schwertfisch in delikater Vanillesauce ist ein Gedicht und kostet etwa 20 Euro. Wie auf den Inseln üblich, kommt der Wein total gefrostet auf den Tisch. Dies gilt auch für Rotwein. „Na klar“, wundert sich der Kellner über unseren Protest. „Der Wein muss doch kalt sein – bei der Hitze!“

Kostbare Perlen

„Wer bei uns weilt, muss eine schwarze Perle mit nach Hause nehmen!“ Die junge Verkäuferin bei „Tahiti Pearls“ lächelt gewinnend und breitet eine Kollektion wunderbarer Perlen vor uns aus. Sie sind beileibe nicht alle schwarz, sondern kommen in vielen Farbnuancen vor. Besonders kostbar sind die jadegrünen und goldfarbenen. Auf Zuchtbänken weit draußen im südlichen Pazifik werden sie von Meisterhand kultiviert. Wie Rosenkränze hängen sie in ihrer Muschelhülle im Wasser, bis sie nach Monaten reif für die Ernte sind.

Captain Bligh’s Erben

„The Farm“ auf Bora Bora bietet Anschauungsunterricht über die Perlenzucht auf kleiner Fläche. Ein junger Mann namens Robert führt uns herum. Natürlich kaufen wir ein Souvenir. Beim Verpacken erzählt Robert eine Story, die wir nun fast schon singen können: Viele Polynesier führen ihren Ursprung auf ein Besatzungsmitglied der berühmten „Bounty“ zurück. Roberts Urururgroßvater soll nun gar aus Dänemark gestammt haben: „Sie wissen schon – die Meuterei und Captain Bligh“, erzählt er in seinem singenden Französisch. Er ist eine gelungene polynesisch-chinesische Mischung. Etwas Europäisches können wir beim besten Willen nicht in seinen Zügen entdecken. Da zeigt der Mann uns eine kunstvolle Tätowierung am rechten Bein, die seinen Stammbaum darstellt, und erklärt jedes Detail. „Das können Sie auch haben“, strahlt er. „Da drüben ist ein Tätowiershop. Aber bitte rechtzeitig anmelden. Unsere Tattoos sind nämlich sehr begehrt, neuerdings auch bei Europäern.“ (Lesen Sie auch Teil 1 "Die Inseln des Lichts")

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Text: Uta Buhr, Fotos: Bacchet, Hazamu, McKenna, Kirkland, Nyssen, Pesquie, Sekkaki, Stickelbaut (alle Tahiti Tourisme)