Kostbare Schätze
Gefahr gebannt
Labin thront über der grünen Hügellandschaft im Südosten Istriens zwischen Pula und Opatija auf 320 Meter Höhe. Zum Glück fiel die am besten erhaltene Bergstadt Istriens nicht dem Steinkohleabbau zum Opfer, erfahren wir vor dem minutiös nachgebauten Minibergwerk im Untergeschoss des Volkskundemuseums im Palazzo Battiala-Lazzarini. Die in das Gestein getriebenen Schächte zerrütteten den felsigen Untergrund allerdings so massiv, dass die Altstadt abzusacken drohte. Gerade noch rechtzeitig wurde der Eingriff gestoppt, die Gruben geschlossen. Noch heute wirken die historischen (in die Jahre gekommenen) Gebäude so unberührt wie vor achthundert Jahren.
Felsstadt mit Badeort
Der Rundgang über grobes Kopfsteinpflaster und steile Treppen wird zu einer Reise in die Vergangenheit. Los geht es an Labins Hauptplatz mit gemütlichen Cafés vor dem prächtigen Stadtpalast im Stil der italienischen Renaissance. Im gegenüberliegenden Lapidarium, wo inzwischen eine Gaststätte untergebracht ist, tanzten früher die Bauern unter der Loggia durch den Sonntag. Schmale Gassen und idyllisch dekorierte Hinterhöfe führen von der Aussichtsplattform neben der Stadtmauer durch das Labyrinth uralter Häuser. Irgendwo schnurrt eine Katze. Wir inspizieren kleine Galerien mit farbenfrohen Bildern vor der Tür und spazieren gemächlich bergauf zum Alten Platz. Dort stehen Kirche Mariä Geburt, Stephanskappelle und der bereits erwähnte barocke, rote Battiala-Lazzarini-Palast einträchtig nebeneinander und warten auf neugierige Gäste.
Von Labin ist es nur ein Katzensprung zum Badeort Rabac, der mit turbulentem Hafen, aber schönen Sand- und Kieselstränden am Hotelufer ganz im Zeichen von Sommer, Sonne und Urlaubsfreuden steht. Schattige Pfade führen vom herrlichen Uferweg in entlegene Buchten, wo auch nackt gebadet werden darf. Von Olivenbäumen und Pinienwäldern umgeben, kleben die Ferienhäuser wie Schuhkartons eng an den terrassenförmig angelegten Hängen der massiven Felsküste. Jedes Haus garantiert freie Sicht auf das azurblaue Meer und die Insel Cres.
Pula – Stadt der Altertümer
Wer aus idyllischen Bergdörfern und verschwiegenen Buchten nach Pula kommt, wird von der betriebsamen Geschäftigkeit der quirligen Wirtschafts- und Hafenmetropole, der größten Stadt Istriens, überrascht sein. Die Tore und Säulen zwischen den gepflegten Grünanlagen stammen aus römischer Zeit, ebenso das häufig erneuerte Rathaus und der vollständig erhaltene Augustus-Tempel auf dem Forum, dem Platz der Republik, als allabendlicher Treffpunkt. Pulas größte Attraktion ist zweifellos das am Meer gelegene Amphitheater – das fünftgrößte der Welt.
Blutige Kämpfe
Unter den Römern, die seit Kaiser Augustus (27 v. bis 14 n. Chr.) über die ehemalige Wallburg der Histrer herrschten, gab es hinter den Arkadenbögen des antiken Theaters blutige Gladiatorenkämpfe und halsbrecherische Wagenrennen. Kriegsgefangene, Sklaven und Christen fanden einst auf dem Sandplatz der Arena unter dem tosenden Beifall der Zuschauer den Tod. Heute ist das beeindruckende Bauwerk kein Schauplatz mehr für blutrünstige Zirkusspiele, sondern Aufführungsort unvergessener Events. Verdi-Opern, Rock-Konzerte, Film- und Schlagerfestivals begeistern jährlich Hunderttausende. Auf der einzigartigen Freilichtbühne gastierten internationale Stars, wie Placido Domingo, Montserat Caballé und Sting.
Was darf es sein?
Von seiner kunterbunten Seite zeigt sich Pula, das vor rund 3.000 Jahren zum ersten Mal erwähnt wurde, am Trg Portarata mit dem Triumphbogen der Sergier. Nur wenige Schritte entfernt, arbeitete hier 1904/05 der Dichter James Joyce als Englischlehrer. Das Denkmal, das dem irischen Schriftsteller an einem der Tische vor dem Café „Uliks“ gewidmet ist, erinnert daran und wirkt so realistisch, als säße er bei einem „bijela kafa“ leibhaftig neben uns. Ringsum gibt es typische Hafengassen und urige Kneipen, und eine Flaniermeile zwischen Forum, Korzo Giardini und der Flanatiĉka mit dem größten Markt Istriens vor und in der glasüberdachten Jugendstil-Halle. Die Händler haben noch Zeit für ein Schwätzchen, und bieten von allem eine kleine Kostprobe, was den Umsatz erheblich steigert. Das reichhaltige, farbenfrohe Marktangebot inspiriert täglich Künstler, Köche und Feinschmecker. Was darf‘s denn sein, werden wir gefragt: Obst? Gemüse? Kaltgepresstes Öl? Frische Kräuter? Feine Gewürze? Edle Weine, bunte Blumen, fangfrischer Fisch, oder doch lieber Muscheln, Krusten- oder Schalentiere? Die gute Qualität und große Auswahl machen uns die Entscheidung schwer.
Text: Renato Diekmann, Fotos: Renato Diekmann, Stadt Pula/Wikipedia (1)

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