Schwarz, weiß & goldgelb
Stadt des Weines und der Trüffel
Auf einem freistehenden Bergkegel erhebt sich die stolze Handelsstadt Motovun erhaben über die Weinebene im fruchtbaren Tal der Mirna. Aus den Häusern, die mit dem beigen Karstgestein verwachsen sind, blicken die Bewohner aus 288 Metern Höhe in alle Himmelsrichtungen auf das grüne Panorama der istrischen Hügellandschaft. So sanft die Hügelketten aus der Ferne betrachtet auch aussehen, so lieblich die Gegend auch wirken mag – steht man einmal mittendrin, gerät man leicht ins Schwitzen. Erst recht, wenn an einem Herbsttag bei 30 Grad Celsius im Schatten die blauen und grünen Trauben geerntet werden (müssen).
Goldgelb und blutrot
Die Geschichte des Weines beginnt im Weinberg, der auf mineralhaltigem Erdreich und in gesundem Mikroklima zwischen Bergen und Meer zu bester Qualität heranreift, wissen die Winzer. Besonders stolz sind sie auf ihren Malvazija, der je nach Weinbereitung und Alter seine Farbe von strohgelb bis goldgelb variiert. Schluck für Schluck schmeckt man das feine Aroma und den frischen, fruchtigen Saft der hellgrünen Traube, deren Bouquet an Akazienblüten erinnert. Gegenstück ist der gehaltvolle Teran, der historische Bodenständigkeit repräsentiert. Er wird wegen seiner tiefvioletten Farbe „schwarzer Wein“ genannt, zeichnet sich durch intensiven Duft, vollmundigen Geschmack, fruchtige Säure, reifes Tannin und viel Charakter aus. Wir erheben das Glas, trinken auf die gute Rebenernte und die typisch istrische Festungsstadt in traumhafter Aussichtslage.
Geh doch in die Oberstadt...
Eine holprige, kopfsteingepflasterte Gasse führt von der romanisch-gotischen Unterstadt in die Oberstadt mit gut erhaltener Kastellmauer. Auf dem Weg nach oben locken Geschäfte und Weinstuben zur Einkehr, in denen nicht nur erlesene Weine, sondern auch einzelne Möbelstücke überzeugen. Wer etwa zu viel des Weines intus hatte, konnte sich früher gleich nebenan in das hölzerne Bett legen, das heute die Einrichtung des Lokals dekorativ schmückt. Auf der Aussichtsterrasse hinter dem Stadttor werden wir mit einem fantastischen Blick auf das Mirna-Tal belohnt. Rathaus, Glockenturm, Stephanskirche und Polesini-Palast, in dem das Hotel-Restaurant „Kastell“ untergebracht ist, bewachen den von betagten Kastanien bestandenen Hauptplatz.
Klein, kleiner, am kleinsten
Ob Hum tatsächlich „die kleinste Stadt der Welt“ oder nur ein guter Werbegag ist, konnte uns niemand wirklich beantworten. Klein ist die Stadt auf jeden Fall. Der mittelalterliche Ort profitiert offensichtlich bestens von dem bescheidenen Titel, den sich die 18 Einwohner haben einfallen lassen, denn auch uns zieht es in den über 900 Jahre alten Weiler mit zwei Dutzend verwirtterten Häusern, zwei engen Gassen, einer Kirche und dem wuchtigen Glocken- und Verteidigungsturm.
Erst schlucken, wenn das Aroma sich entfaltet
Kommunikatives Zentrum ist die rustikale „Humska Konoba“, wo wir eine Pause einlegen. Auf der überdachten Terrasse vor der grandiosen Landschaft wählen wir zu grünen und schwarzen Oliven, frisch gebackenem Brot und köstlichem Wein aus der Region den deftigen Manešta mit weißen Trüffeln. Eine gute Wahl, wie uns die Wirtin versichert. Den gehaltvollen Gemüse-Eintopf, der gern bei kühler Witterung bestellt und im Frühjahr mit grünem Wildspargel, im Herbst mit köstlichen Trüffeln abgeschmeckt wird, haben wir uns nach der Wanderung von Roc nach Hum redlich verdient. Bevor serviert wird, erfahren wir noch alles über die Kunst der Olivenölverkostung: Wir geben einen Tropfen auf die Zunge, ziehen den Atem durch die Zähne, schlucken das Öl aber erst, wenn sich sein Aroma im Mund voll entfaltet hat.
Schrift aus Kreis, Dreieck und Kreuz
Die Ortschaften Hum und Roc verbindet die landschaftlich und kulturell reizvolle Allee der Glagoliter. Der 8 Kilometer lange Wanderweg – von zehn steinernen Skulpturen gesäumt – erinnert an die Entstehung der Glagoliza, der ältesten slawischen Schrift. Sie wurde von den Slawenaposteln Kyrill (einem Philosophie-Gelehrten aus Konstantinopel), und Method (dem Abt eines Klosters) entwickelt – mit Buchstaben, die sich zusammensetzen aus Kreis, Dreieck und Kreuz, den wichtigsten christlichen Symbolen.
Text: Renato Diekmann, Fotos: Renato Diekmann, K-D. Keller/Wikipedia (2)

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