Schmuckstücke der Küste

Zeitzeugen der Serenissima

Die Neugier auf Neuland, die Schönheit Istriens und das sonnige Wetter locken an die 40 Kilometer lange Küste Sloweniens, die ebenfalls zur istrischen Halbinsel gehört; mit den schroffen Berghängen, flachen Buchten, grünen Tälern und Salzgärten aber noch ursprünglicher wirkt. Die elegant in den Himmel ragenden Campanile der Küstenstädte und hübsch gelegenen Bergdörfer weisen den Weg von Ort zu Ort und erinnern mit ihren Festungen auf felsigem Grund an die einstige Schutzmacht Venedig. Wie ein Märchen offenbart sich im Anschluss an das mondäne Seebad Portorož die slowenische Hafenstadt Piran am Fuße eines Hügels auf einer weit ins Meer reichenden Landzunge. Vom Kastell auf dem Festland geht der Blick über die schillernden Dächer der pittoresken Altstadt, die von Glockenturm, der St.-Georg-Kirche und dem Tartini-Platz dominiert wird.

Teufelsgeiger

Das Oval ist dem größten Sohn der Stadt gewidmet: Guiseppe Tartini (1692–1770) – dem wohl bedeutendsten Komponisten jener Zeit und ein begnadeter Violinist, der das Spiel auf der Stradivari-Geige beherrschte wie kein anderer. Der Legende nach soll der Teufel Tartini im Schlaf erschienen sein und ihm eine betörende Melodie auf der Geige vorgespielt haben. Diese Musik bannte Tartini noch in der gleichen Nacht Note für Note aufs Papier, nannte sie „Teufelssonate“ und bezeichnete diese später als sein bestes Werk. Die Geburtsstadt des vom Teufel besessenen Virtuosen präsentiert den Glanz venezianischer Architektur und Kultur unverfälscht bis auf den heutigen Tag. Wie Zeitzeugen der Serenissima präsentieren sich um den zentralen Platz eindrucksvoll Justizpalast, klassizistisches Rathaus, Tartinis Geburtshaus, Petrus-Kirche, Barockplast, Stadtgalerie und die prunkvolle Venezianische Villa.

Neue Stadt mit alten Wurzeln

Wir lassen die istrische Küste Sloweniens hinter uns und besuchen Novigrad. Gartenlokale, Obst- und Gemüsehändler auf dem bunten Bauernmarkt entlang der Zufahrtstraße Murvi sind die Vorboten der im Sommer autofreien Altstadt an der Mirna-Mündung. Die Bewohner der ehemaligen griechischen Seefahrersiedlung sind zwar längst Vergangenheit, erhalten hat sich allerdings der mittelalterliche Charme der „neuen Stadt mit alten Wurzeln“, die von den Römern nach dem Untergang der Siedlung erneut aufgebaut wurde. Das wird schnell deutlich bei einem Rundgang auf dem befestigten Uferweg durch großzügig angelegte Parkanlagen entlang der zinnenbewehrten Stadtmauer mit romanischen Fundamenten aus dem 13. Jahrhundert und historischen Gebäuden im Stadtkern. Bevor es zurück nach Rovinj, unseren Aufenthaltsort, geht, gönnen wir uns am Yacht- und Fischerhafen in einem der hochgelobten Restaurants die so seltenen, begehrten weißen Trüffel an frischem Fisch, dazu ein Gläschen des guten Malvazijas.

Text: Renato Diekmann, Fotos: Renato Diekmann, Richard Huber/Wikipedia (1), Johann Jaritz/Wikipedia (1), Stadt Piran/Wikipedia (2)