Kein schöner DeutschLand

Urlaub auf Mönchgut

Ort ohne Hektik 

In der Hektik des Alltags entgeht mir vieles, denke ich und betrachte versonnen die windgeblähten dunkelroten Segel eines historischen Zesenbootes, das soeben die Baaber Rinne passiert. Allzu gerne nutzen Freizeitkapitäne den Service vom Solthus mit separatem Sanitärbereich für Segler. Sie holen morgens knackfrische Brötchen an Bord oder genießen das reichhaltige Frühstücksbuffet auf der Sonnenterrasse des kleinen Hotels. Das Solthus am See, das wegen seiner traditionellen Fischgerichte aus Bodden und Ostsee schon zu DDR-Zeiten als Gasthof sehr beliebt war und 1998 zum Hotel umgebaut wurde, fügt sich nahtlos ein in die intakte Natur, erinnert mit seinem geschwungenen Reetdach an Woge und Welle des rauschenden Meeres.

 

 

Wertvolle Tips

Beim Vergessen des Alltags ist Frank Gareis behilflich. Obwohl er das kleine Hotel verantwortlich führt, nennt er sich bescheiden Empfangschef. Der Hotelier aus Sellin kümmert sich rührend um jeden Gast, der den persönlichen Service zu schätzen weiß und deshalb gerne wiederkommt. Gareis trägt die Koffer des Gastes aufs Zimmer, holt das Fahrrad aus dem Schuppen und gibt wertvolle Tipps für die Freizeitgestaltung. Auf den gut ausgeschilderten Rad- und Wanderwegen lässt sich die Umgebung bis zur Fürstenstadt Putbus entdecken, die architektonische Pracht der renovierten Ostseebäder Binz, Baabe Göhren und Sellin mit der der prachtvollen, einzigartigen Seebrücke bewundern und die unter Naturschutz stehende Landzunge Reddevitzer Höft in Ruhe genießen. Pedalritter und Wanderfreunde haben von hier aus einen herrlichen Blick über Rügen bis zum Jagdschloss Granitz.

 

 

Zimmer mit Aussicht

In den 39 Zimmern und Suiten des Solthus lässt es sich angenehm wohnen. Alle Räume sind gemütlich eingerichtet und mit einem blauen Teppich mit kleinen weißen Blumen-Ornamenten ausgelegt. Warme rötliche Farben unterstreichen das ländliche Ambiente, flauschige Betten und bequeme Sitzmöbel garantieren behaglichen Urlaub. Balkon oder Terrasse bieten freie Sicht auf Bodden, Having und Selliner See mit Blick auf das hölzerne Ruderboot, in dem der Fährmann in Latzhose und geringeltem Hemd schwitzt. Für wenige Cent pro Fahrt und Personen befördert er Passagiere samt Fahrrädern zwischen Moritzdorf und Baaber Bollwerk hin und her. Auf Kundschaft wartet zudem das blau-weiß lackierte Motorschiff „Lamara“, das von April bis Oktober täglich für schaulustige Besucher die Insel Vilm im Greifswalder Bodden umschifft.

 

 

Pure Verführung

Wem das Ostseewasser zu kalt ist, taucht ab in den gepflegten Wellnessbereich, wo finnische Sauna, Dampfbad, Tecaldarium, Sonnenbank und Kosmetiksalon, Massagen und umfangreiche Packungen Körper und Seele streicheln. Besonders erquickend ist das glasüberdachte Schwimmbad mit Gegenstromanlage und Panoramablick auf die umliegende Heide- und Boddenlandschaft.

 

Obwohl die Region kulinarisch lange in den Kinderschuhen steckte, schmeckt das Essen im Solthus vorzüglich. Die kreativen Köche zaubern fangfrischen Dorsch mit Speckkartoffeln und Mecklenburgischen Rippenbraten mit Backpflaumen ebenso gekonnt auf die Teller wie die delikaten Flusskrebse in Tomatengelee auf Kräutern und Gurkensauerrahm oder die gefüllte Wachtelbrust im Baumkuchenmantel mit Spitzkohl und getrüffelter Kartoffel-Remouladen-Créme. Um den Gaumen restlos zu verwöhnen, lädt Hotelchef Frank Gareis zwei Mal im Jahr zum 6-Gänge-Menü. Dann entführen im Wechsel Küchenmeister aus Deutschland den Gast zu einer kulinarischen Reise in europäische Gourmet-Regionen, begleitet von korrespondierenden Weinen.

 

Nach dem Schlemmen bleibt noch Zeit für einen Drink vor dem offenen Kaminfeuer in der gemütlichen Bibliothek. Nicht nur zur Sommerzeit bietet Rügen einmalige Naturschönheiten, und so freue ich mich schon jetzt auf den goldenen Herbst, die klare Wintersonne und die züngelnden Flammen, die sich im Kamin unermüdlich durch das Holzscheit fressen werden. Land und Wasser befinden sich im steten Wandel der Jahreszeiten. Gerade darin besteht der Charme und Reiz dieser traumhaften Insel mit ihrer vielfältigen Landschaft.

 

 

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Text & Fotos: Renato Diekmann