Kein schöner Land / 157-Badische Lebensart

Badische Lebensart_2

Genuss zwischen Weinbergen

Wer wissen will, wie köstlich Bärlauch- und Rahmsüppchen von Frühlingskräutern mit Spargelspitzen, rosig gebratene Entenbrust mit Gemüseklößchen und Vanille-Eisparfait an Apfel-Calvados schmecken, besucht am besten die Kochschule des preisgekrönten Küchenpatrons Ludwig Bechter im „Gasthof Lamm“ im Bühler Stadtteil Kappelwindeck. Dort sind der Fantasie am Herd des Meisters keine Grenzen gesetzt, und schnell hat man mit wenigen Handgriffen gelernt, auf was es beim Kochen ankommt.

Wie praktisch ist der Rebensaft

Ringsum gedeiht alles für eine gute Küche, köstliche Gerichte und erlesene Weine. An den sonnenverwöhnten Hängen des Tals reifen die Trauben für Riesling und Affentaler Spätburgunder. Dieser tiefrote, glutvolle Wein wurde hier schon im 12. Jahrhundert durch das Zisterzienserinnenkloster Lichtental angebaut. Die Rebe ist mit der Kultur der Menschheit eng verbunden. Schon Cleopatra badete im Wein, bei den Sumerern fand man Traubenkerne für Öl zur Pflege der Haut. Und Pan, der griechische Schutzgott der Hirten, war dem köstlichen Rebensaft ebenfalls zugetan. Praktischer veranlagt waren die Römer, die den Wein für ihre Legionäre zur Desinfizierung sowie als Schlaf- und Beruhigungsmittel einsetzten und ihn sogar nach Deutschland brachten. Auch Hildegard von Bingen nutzte die Rebe medizinisch. Diesen kleinen Exkurs erfährt der Gast ganz nebenbei während seines Besuchs im „El Medico“ Therapie- und Wellnesshaus in Bühl-Eisental, wo der Arzt Dr. Hundt mit seinem Team eine moderne Vino-Therapie praktiziert, die diesen Namen wirklich verdient.

Fruchtbare Erde

Im Bühlertal sind viele Gastgeber gleichzeitig Winzer oder Obstbauern. Saftige Erdbeeren, köstliche Kirschen, aromatische Zwetschgen, knackige Äpfel, Trauben, Kastanien und Nüsse – vom frühen Sommer bis weit in den Herbst ist hier Erntezeit. Wer diese liebliche Landschaft zu Fuß erkundet und ihre Höhen erreicht, gewinnt einen herrlichen Blick weit über das Rheintal bis zu den Vogesen und das benachbarte Elsass. Ebenso faszinierend ist die Fernsicht von Burg Windeck, die mehrmals belagert, aber nie eingenommen wurde. Rund um die Ruine ist ein kleines Idyll entstanden. Jedes der im Landhausstil eingerichteten Hotelzimmer hat sein eigenes Ambiente und einen atemberaubenden Ausblick auf das fruchtbare Land. Er wird nur übertroffen von den spektakulären Sonnenuntergängen, die der Gast im Sommer unter schattenspendenden Platanen von der Burghof-Terrasse beobachten kann, während er mit Lust speist und dazu die Köstlichkeiten vom hauseigenen Weinberg genießt.

Wo Faust den Tod fand

Alles, was das Herz begehrt, ist im Badischen möglich und schnell erreicht. Die klassische Bäderlandschaft der ehrwürdigen Kurstadt Baden-Baden, die Breisgau-Metropole und Universitätsstadt Freiburg, das romantische Glottertal, die malerischen Weinorte am Fuße des Kaiserstuhls mit seinen Sonnenterrassen und das Markgräflerland mit der historischen Stadt Staufen, in der Faust den Tod fand, Mephisto noch heute mit Anekdoten das Publikum unterhält, und jedermann seinen eigenen Wein in einem persönlichen Barrique-Fass lagern, allzeit verkosten und in selbst gewählten Flaschen mit selbst entworfenem Etikett abfüllen lassen kann.

Die Wildnis am Rhein

Wer glaubt da schon, dass in Baden noch eine Steigerung möglich ist! Aber es gibt sie! Eine wilde, verwunschene Landschaft, der man auf Anhieb verfällt. Der ideale Zufluchtsort für seltene Pflanzen, Tiere und Vögel. Die Rheinauen im Taubergießen stehen unter Naturschutz und überraschen mit Schwänen, Kormoranen, Blesshühnern, Haubentauchern, Graureihern und Eisvögeln. An den Ufern der Auenwälder leben Nutria und Molch, Eidechse und Ringelnatter, Erdkröte und Wasserfrosch, gedeihen Schwarzpappel, Grau-Erle und Silberweide, die nasse Füße lieben wie die Weißstörche im kniehohen Schilf. Entlang der stillen Wasserarme wurzeln Stileiche, Flatterulme, Silberesche und Wildapfel. Eigenwillig geformte Bäume, Sträucher und Lianen bilden eine dichte vielschichtige Wildnis mit verschlungenen Wegen und stillen klaren Seen – im Herbst in geheimnisvolle Nebel gehüllt, im Winter mit Eis bedeckt und überzogen von Raureif und Schnee wie Puderzucker. Wenn die Sonne höher steigt und der Frühling erwacht, jubilieren unzählige Singvögel mit dem schwarz-gelb gefiederten Pirol um die Wette, und der Ruf des Kuckucks ist allgegenwärtig. Das zarte frische Grün im ursprünglichen Naturparadies wird dann farbenfroh bereichert durch die bunte, intensive Blütenpracht der Orchideen, Schwertlilien, Sumpfdotterblumen und Teichrosen. Ein wunderbarer Ort, so zauberhaft, so prall und schön, wie Gott ihn schuf. 

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Text: Renato Diekmann, Fotos: TI Breisach, TV Staufen, Taubergießen/Koch, Burg Windeck