Kein schöner Land

Gesichter einer Stadt

Im Glanz der tausend Lichter

Die Metropole lässt keinerlei Zweifel an der kosmopolitischen Vielfalt ihrer Bewohner aufkommen. Wer sich in Paris, Rom oder Venedig wohlfühlt, fühlt sich auch in Leipzig wohl. Das gilt besonders für das turbulente Nachtleben. Dann erstrahlt die Sachsenmetropole im Glanz der tausend Lichter. Die Stadt ohne Sperrstunde ist ideal für Singles und unternehmungslustige Paare. Nach Museums-, Gewandhaus- oder Opernbesuch, nach Kino, Theater oder Kabarett gibt es in den unterschiedlichsten Lokalitäten genügend Gelegenheiten zur Balz. Zuerst sammeln sich die Nachschwärmer auf dem Drallewatsch, Gästen eher bekannt als Barfußgässchen. Jung und Alt gehen hier „auf den Schwof“, genießen die Stimmung der nächtlichen Szenerie auf engstem Raum unter freiem Himmel. Diese Lebenslust setzt sich dank der Nähe zum Schauspielhaus nahtlos fort auf der Gottschedstraße, sowie im Süden der Stadt auf der Karl-Liebknecht-Straße - die Lieblingsmeilen der Studenten und Künstler.

Vergnügungsmeilen

Die Kneipenmeilen der besonderen Art sind wie geschaffen für (Lebens)Künstler  und solche, die es werden wollen. Beliebt ist auch die Moritz Bastei als Nachtclub und Event-Location. Die im Krieg zerbombte Bastion diente im Dreißigjährigen Krieg Moritz von Sachsen als sicheres Bollwerk, war später Arbeitsstätte für Glockengießer und Buchdrucker, anschließend Deutschlands erste konfessionslose Bürgerschule und Lehranstalt für Höhere Frauenberufe. Seit 1982 beherbergt die Bastei das internationale Kulturzentrum, ist beliebter Ausstellungs- und Veranstaltungsort und seit der Wende Deutschlands größte Studentenkneipe. Ab 23 Uhr geht es hier rund bis in die frühen Morgenstunden.

Grüne Lunge Leipzig 

Abseits der zahlreichen Freizeit- und Kulturangebote bietet die Stadt auch ruhige, beschauliche Plätze. An erster Stelle steht Leipzigs Zoo – grüne Lunge und idyllisches Naturerlebnis inmitten der Großstadt. Zum 125jährigen Jubiläum mauserte sich der Tierpark zur Luxusherberge für Affen, Löwen, Tiger und Elefanten. Der im Marketing erfahrene Direktor hat mit der Realisierung seines „Zoos der Zukunft“ schnell die Herzen der Menschen erobert. Es handelt sich um ein vorbildliches Konzept, das artgerechte Haltung und spannendes Entertainment vereint und die reiche Tierwelt unserer Erde im Kleinen widergespiegelt. Im Laufe der letzten Jahre wurden Millionen Euro in den gitterlosen, naturbelassenen Park mit offenen Landschaften investiert. Größtes Projekt ist derzeit „Gondwanaland“. Demnächst soll der künstliche Regenwald unter einer Glasglocke die Besucher mit tierischen Vertretern aus den tropischen Dschungelgebieten der Welt in den Bann ziehen.

Klein Venedig

Vom Zoo geht es nach „Klein Venedig“. Wer mit der Gondel auf dem Karl-Heine-Kanal spazieren fährt und das Ufer der Wasserwege betrachtet, kommt aus dem Staunen nicht heraus: Leipzigs einzigartige Industriearchitektur erlebt im Stadtteil Plagwitz eine neue Blütezeit. Das totgesagte Industriegebiet entwickelte sich nach der Wende zum Geheimtipp für Handwerk und Kunstgewerbe. In rascher Folge entstanden Ende des 19. Jahrhunderts außergewöhnliche Bauten und Fabrikanlagen. Architektonische Highlights sind die „Wollgarnfabrik Titel & Krüger“, das nach Entwürfen des Hamburger Architekten Fritz Höger (Chilehaus) erbaute Verwaltungsgebäude der Leipziger „Konsum-Zentrale“ (eine grandiose Symbiose von Backsteinexpressionismus und moderner Sachlichkeit), die 1880 gegründete „Maschinenfabrik Unruh & Liebig“, und die in der Nonnengasse errichteten „Buntgarnwerke“ – eines der größten Gründerzeitdenkmale Deutschlands. Dazwischen beleben zahlreiche Appartement- und Stadthäuser, gemütliche Cafés und Restaurants die historischen Mauern des Viertels.

Kunstvoller Naturzauber

Wer auf Kunst und Kultur steht, bekommt in verschiedenen Museen bedeutende Werke großer Meister aus Europa zu Gesicht - etwa im Grassi-Museum, wo im Innenhof knallgelbe Möbel stehen., die zu einer Ruhepause einladen. Oder besucht das weithin bekannte Panometer und bestaunt Yadegar Asisis neues Panoramaprojekt „Amazonien“ - eine künstliche, wenn auch faszinierende Welt: Das derzeit größte, 100 mal 30 Meter hohe Rundbild der Welt zeigt im Maßstab 1:1 eindrucksvoll den Urwald aller Regenwälder, begleitet von dramatischer Musik und exoitschen, urwaldtypischen Geräuschen, die uns weitgehend unbekannt sind. Von der sechs Meter hohen Plattform, die einer Lichtung gleicht, blickt man auf "rauschende" Baumkronen gigantischer Urwaldbäume mit verschlungenen Lianen, entdeckt faszinierende Pflanzen, zahlreiche Tiere und vereinzelt sogar Ureinwohner der Amazonas-Region. Und wenn der Regenwald aus einer dunklen Tropennacht erwacht, kriechen Raupen durch das Blattwerk, baumeln Faultiere am Ast, beäugen farbenfrohe Papageien die prächtige Blütenpracht, durchstreifen Tiger lauernd das Dickicht.

Freizeit-Eldorado

Auch das platte, einst trostlose Umland der Sachsenmetropole hat sich zu einem wahren Freizeit-Eldorado gemausert. Wo früher die Braunkohlenindustrie das Landschaftsbild bestimmte und die Stilllegung der Tagebauten eine brache, staubige Mond- und Kraterlandschaft hinterließ, brüten nun über 300 verschiedene Vogelarten im Neuseenland. Das einmalige Nebeneinander von Wasser, Wäldern und Naturrefugien hat sich im Eiltempo neue Freiräume geschaffen und bietet heute Lebensgrundlagen für zahlreich bedrohte Arten aus Flora und Fauna. An der Badewanne Leipzigs, dem Cospudener See, aalen sich Sonnenhungrige am feinsandigen Strand, liegen Freizeitsegler mit der Jolle hart am Wind, nehmen Schaulustige bei Kaffee und Kuchen bequem den Ausflugsdampfer, der am Pier auf Gäste wartet. Auch für kleine und große Kinder bleibt es spannend. In unmittelbarer Nähe bietet der Belantis Vergnügungspark Familien bunte Attraktionen mit Schloss, Pyramide, Götter-Strand, Achterbahn, Odysseus-Fahrt und Ikarus-Flug. Schon von Weitem ist zu hören, wie seine Gäste ihren Höhenflug genießen.  

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Text: Renato Diekmann, Fotos: Renato Diekmann, LTM (Asisi, Bader, Jungnickel, Kühne, Schmidt, Studio80), Bach-Archiv-Leipzig