Sternstunde
Wenn das Wörtchen wenn nicht wär…
Wenn ich einmal reich bin, fahre ich die neue E-Klasse, die jetzt mit Ecken und Kanten daherkommt. Das fängt bei den tropfenförmigen Doppelscheinwerfern an, die wie Edelsteine präzise aus dem Gesicht hervor blitzen, und hört auf bei den komplett neu gestalteten Rückleuchten, die sich nun waagerecht von der Kofferraumabdeckung bis weit in die Seitenpartie ziehen, was das Heck der meistverkauften Mercedes-Limousine leicht und dynamisch macht. Dass der Kühlergrill, umspielt von markanten Karosseriefalzen, steiler steht als bisher, ist meines Erachtens nebensächlich, auch wenn der Wagen dadurch kraftvoller wirkt.
Zurück in die Zukunft?
Inzwischen überzeugen Autos dieser Klasse mehr oder weniger durch ihr elegantes Design, denn Kleider machen Leute. Und dass die Autobauer in Stuttgart die Ausdruckskraft der Linien im Aluminiumkleid beherrschen, ist zu erwarten. Besonders gut gefällt die Signatur im Heck. Bei der Gestaltung des hinteren Kotflügels greift die neue E-Klasse ein markantes Stilelement des „Ponton-Mercedes“ von 1953 auf und interpretiert es auf moderne Weise neu. Das raffinierte Zusammenspiel von Formen und Flächen, von Licht und Schatten ist sowieso ein Markenzeichen des modernen Mercedes-Designs und lässt das neue Modell eleganter, gestreckter und muskulöser erscheinen. Aber ist es auch technisch und qualitativ besser als der Vorgänger?
Mehr Effizienz
Die neue E-Klasse ist gerade mal zwei Fingerbreit gewachsen. Das reicht dicke für vier Personen und deren Reisegepäck, zumal der Radstand zugunsten einer besseren Raumausnutzung um fast acht Zentimeter zulegt. Schwere Autos mit großem Hubraum und protzigem Motor sind out, umweltfreundliche, verbrauchs- und schadstoffarme Motoren dagegen gefragt. BlueEfficiency heißt das Zauberwort – die Blaue Welle für eine grüne, saubere Umwelt. Wie effizient die neuen Benzinmotoren mit bis zu 23 Prozent geringerem Kraftstoffverbrauch tatsächlich sein werden, wird sich zeigen. Bei der Motorenpalette folgt Mercedes jedenfalls dem Trend zu kleineren Hubräumen und spritsparenden Motoren. Dazu haben die Ingenieure aus allen Entwicklungsbereichen Bauteile und Komponenten der neuen E-Klasse optimiert, um durch geringeres Gewicht, neue Form, verbesserte Funktion oder effizienteres Energiemanagement Kraftstoff einzusparen.
Vorzeigetriebwerk
Stolz präsentiert Mercedes jetzt ein neu entwickeltes 2,2-Liter-Diesel-Aggregat mit Doppelturbolader, das als erster Vierzylinderdiesel die magische 200-PS-Grenze überschreitet. Mit 204 PS Leistung soll der Motor ein um 25 Prozent größeres Drehmoment entfalten und nur noch 5,3 Litern auf 100 Kilometer verbrauchen. Das entspricht 139 Gramm CO2 pro Kilometer. Alle Motoren der neuen E-Klasse erfüllen die EU5-Abgasvorschriften; beim E 350 CGI BlueTEC liegen die Emissionen sogar unter den für 2014 geplanten EU6-Limits. Die Experten vom Motor Informationsdienst (mid) vermuten allerdings, dass die sparsamen Diesel von den neuen Vierzylinder-Ottomotoren harte Konkurrenz erhalten, weil sie bei niedrigeren Preisen ähnlich geringe Verbrauchswerte haben. Künftig wird der verkleinerte Hubraum von 1,8 Litern durch einen Turbolader ausgeglichen. Das Basistriebwerk leistet 184 PS und soll mit Hilfe einer Start-Stopp-Automatik mit 6,8 Litern Super auf 100 Kilometern auskommen.
Das neue Modell denkt mit
Innovation, Komfort und Sicherheit sind seit jeher die herausragenden Merkmale der E-Klasse. Deshalb hat die neue Limousine intelligente Assistenzsysteme an Bord, auf die man sich bei Tag und Nacht verlassen kann. Sie unterstützen den Fahrer, wenn es brenzlig wird, und steigern dessen Sicherheit. Ihre Radarsensoren überwachen jedes Rad, jede Bewegung des Fahrzeugs und erkennen sogar fahriges oder unkonzentriertes Fahrverhalten. Sollte der Fahrer hinterm Steuer den notwendigen Abstand nicht einhalten, versehentlich die Spur verlassen oder Gefahr laufen, einzuschlafen, wird er mit Signalton und Instrumentenanzeige im Armaturenbrett gewarnt, gegebenenfalls korrigiert und herunter gebremst. Im Notfall gibt es eine Vollbremsung und sieben Airbags fangen die Insassen auf. Für eine bessere Sicht in der Dunkelheit gibt es nun gegen Aufpreis ein Nachtsicht- und Fernlichtassistent, der die Leuchtweite der Scheinwerfer je nach Verkehrssituation variabel zwischen 65 und 300 Metern reguliert.
Nur vom Feinsten
Schöne Formen, feine Materialien und angenehme Farben, bequeme Sitze und perfekt gestaltete Details sind die Zutaten für das gediegene Ambiente im Innenraum des Wagens. Die Exklusivität lässt sich freilich noch steigern durch drei wählbare Ausstattungsvarianten, die von klassisch, elegant bis avantgardistisch reichen. Alles eine Frage des Geldes, versteht sich, und wer davon reichlich hat, kann zusätzlich das Sportpaket AMG ordern – ganz nach persönlichem Geschmack. Die Preise reichen von 41.590 (E220 CDI) bis 70.269 (E500 4Matic), und die Aufpreisliste für Sonderwünsche ist bekanntlich lang und kostspielig dazu.
Wer jedoch einmal in der Limousine Platz genommen hat, fühlt sich geborgen wie in Abrahams Schoß - ganz besonders im E-Guard, in dem man noch sicherer aufgehoben ist. Also lass‘ ich mich nicht lange bitten, setze mich hinters Multifunktionslenkrad, schließe die Tür, die satt ins Schloss fällt, atme tief durch, starte und lausche dem säuselnden Motor unter der lang gestreckten Haube, erlebe die ausgereifte Technik, die mich umgibt, genieße die Eleganz, den gediegenen Komfort und das entspannte Fahren, das mich (hoffentlich) souverän und sicher an mein Ziel bringen wird - wenn ich einmal reich bin.
Text: Renato Diekmann, Fotos: Mercedes-Benz, Quellen: Mercedes-Benz, mid

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