Die italienische Offensive
Originell und extravagant
Vincenzo Lancia hätte am neuen Delta seine Freude gehabt. Für den italienischen Autokonstrukteur musste nämlich jedes Modell ein echtes Meisterstück werden und natürlich besser sein als jedes seiner Mitbewerber. Mit dem neuen Delta hat Lancia ein originelles Auto geschaffen, wenngleich Parallelen zum Fiat Bravo unverkennbar sind. Charismatisch und extravagant steht der neue Delta vor mir: lange Nase, kecke Schnauze, kühnes Heck - eine super Figur! Und mit 4,52 Metern 20 Zentimeter länger als der Golf – optisch durchaus ansprechend. Ein gelungener Mix aus Limousine, Familien-Van und Sportwagen.
Charmant und verführerisch
Nach langjähriger Durststrecke soll der neue Delta die Marke Lancia, die für Luxus, Lifestyle und Komfort steht, aus der Talsohle fahren und italienischen Glanz in die zum Teil dröge Kompaktklasse in Deutschland bringen. Eine Aufgabe, die ihm offensichtlich liegt, denn kein anderes Auto sorgt derzeit für so viel Aufmerksamkeit wie der Delta. Chic gekleidet in geschwungenen Linien, verführt der elegante Italiener mit charmantem Augenaufschlag, sexy Hinterteil, eigenwilligen LED-Rückleuchten, schönen Karosseriefarben in Bi-Color-Lackierung und großzügigem Innenraum, in dem die Materialqualität (leider!) noch zu wünschen übrig lässt.
Chic und variabel
Innen zeigt sich der Delta ausgesprochen variabel mit verschiebbarer Rückbank, üppigem Laderaum von 360 bis 1400 Liter und genügend Beinfreiheit im Fond, allerdings nicht für groß geratene Personen. Erwachsene ab 1,80 Meter stoßen mit dem Kopf an die Decke des coupéartigen Dachs - ein Tribut an das windschnittige Design und die extrem schräg stehende Frontscheibe. Ach ja, die Ladekante könnte gern ein bisschen niedriger, die Heckklappe etwas größer ausfallen. Wenig überzeugend sind auch die windige Hutablage aus billigem Material, die harte Lehne der Rückbank und die zu kurze Oberschenkelauflage der sonst bequemen Vordersitze.
Komfortabel und genügsam
Drei Diesel und drei Benziner treiben den Delta an. Das Leistungsspektrum beginnt beim 120 PS starken 1.4-T-Jet-Benziner und dem 1.6-Multijet-Diesel, ebenfalls mit 120 PS. Interessant ist der neue 1,9-Liter-Twinturbo-Diesel. Abgerundet wird die Motorenpalette ab Februar 2009 durch einen 1,8-Liter-Benziner mit 200 PS Leistung und Sechs-Gang-Automatik. Und viele Lancia Fans hoffen auf eine sportliche Allradversion in der Tradition des legendären Delta Integrale. Erste Testfahrten im Turiner Umland mit dem 190 PS starken Twinturbo-Diesel bescheinigen dem Delta jedenfalls mäßigen Durst (5,7 l) und ein gutmütiges Fahrverhalten. Der Neuling lässt sich leicht lenken und überzeugt durch hohen Federungskomfort, allerdings mit eingeschränktem Federungskomfort. Wegen seiner Länge und der knapp 1,4 Tonnen Gewicht bewegt er sich auf kurvigen Bergstraßen zwar behäbig, aber sicher. Unebene, holprige Straßenbeläge machen sich in der Lenkung unangenehm bemerkbar.
Bequem und sicher
Ein komfortables Auto wie der Delta ist selbstverständlich sicher und Crash-getestet, übrigens mit sehr gutem Ergebnis. Er hat ESP mit erweiterter Funktionalität, das auf den Namen AHS (Absolute Handling System) hört, bietet ein elektronisches Sperrdifferenzial, eine variable Dämpfung für besseren Fahrkomfort, einen Spurhalteassistenten namens Driving Advisor, eine Einparkautomatik und viele andere nützliche Dinge gegen Aufpreis - z. B. ein Panoramadach aus dunklem Glas.
Aktiv und offensiv
Lancia will mit dem neuen Delta verloren gegangenes Terrain zurück erobern – gerade in Deutschland, wo die Marke fast nur noch mit dem kleinen Ypsilon vertreten ist. Zu derart hohen Erwartungen passte auch die neue TV-Kampagne mit Richard Gere, der im Delta nach Tibet fuhr und dort mit einheimischen Kindern Spuren im Schnee hinterließ.
Text: Renato Diekmann, Fotos: Lancia / FIAT Group Automobile

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