Im Tal der Genießer
Bilderbuchlandschaft
Auf dem Weg nach Italien bemerkt sie der Urlauber eher selten oder zu spät: die traumhafte Landschaft des Eisacktals. Die Autobahn über den Brennerpass macht es ihm auch nicht leicht, die Schönheiten dieser südtiroler Region auf Anhieb zu entdecken. Auf hohen Stelzen und zahlreichen Brücken zieht sie ihre Bahn über das Tal Richtung Süden. Erste Stationen sind häufig das mediterrane Bozen oder Meran, wo der Frühling mit seiner Blütenpracht besonders zeitig Einzug hält und selbst die Herbstsonne die kühlen Gemüter aus dem Norden noch reichlich verwöhnt, während die hohen Gipfel der Alpen winterweiß ins Tal leuchten.
Königsweg
Das Eisacktal, das entdeckt werden will, ist eine Reise wert, zieht Genießer, Naturfreunde und Kunstliebhaber in seinen Bann. Die fruchtbare Landschaft am Fuße der Dolomiten rund um die drei historischen Städte Brixen, Klausen und Sterzing ist reich an Kulturschätzen der besonderen Art. Mächtige Burgen und majestätische Schlösser, prachtvolle Klöster, idyllisch gelegene Kirchen und Kapellen überraschen den Gast auf seiner Entdeckungstour völlig unverhofft. Kunst und Kultur gehören zum Eisacktal wie das Amen in die Kirche. Seit vielen Jahrhunderten liegt das liebliche Tal mit seiner reichen Vegetation an der wichtigsten Nord-Süd-Achse Europas. Hier kreuzten sich die Wege von Königen und Bischöfen, Kaufleuten und Bürgern, Globetrottern und Künstlern.
Reiselust
Bevor die Autobahn über das Tal lief, passierten die Reisende den Brennerpass auf engen kurvenreichen Straßen und begleiteten den Eisack, der von den alpinen Gebirgsketten der Stubaier Gletscher mit kristallklarem Wasser gespeist wird, entlang seiner Route von Norden nach Süden bis hinunter in das Bozener Becken, wo er unterhalb der Landeshauptstadt Südtirols in die Etsch mündet.
Die bekanntesten Namen reisefreudiger Künstler hießen Goethe, Heine und Albrecht Dürer, der aus dem pestverseuchten Nürnberg floh und lieber eine Italienreise antrat, wobei er in Klausen Rast machte und das alte Städtchen mit der Felsenburg Säben zeichnete, übrigens das älteste Kloster Tirols. Für den deutschen Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe war es geradezu eine Pflicht, jenes Land aufzusuchen, wo die Zitronen blühen, und so zog auch er mit der Kutsche durch das Eisacktal gen Süden, um Land und Leute zu studieren. Sogar Heinrich Heine, der Menschen und Geschichte diesseits und jenseits des Brenners mit bissig-satirischen Worten bedachte, verliebte sich in die Landschaft am Eisack und genoss zu Bachforelle mit Salzkartoffeln und Wildgericht mit Schupfnudeln gern einen guten Schluck vom fruchtig-eleganten Sylvaner.
Lebenslust
Der Gast spürt den südländischen Einfluss nicht nur im Land unter lebenslustigen Menschen, die in alten Gehöften, malerischen Dörfern und geschichtsträchtigen Städten leben, sondern auch an der vielfältigen Küche, die er von Gossensass (den von Hendrik Ibsen vielgepriesenen Kurort) über die Fuggerstadt Sterzing und das mediterrane Brixen bis zum Künstlerort Klausen in zahlreichen Hotels und Restaurants genießen und erleben kann. Stilvoller Komfort in familiengeführten Häusern und das hohe Niveau in der Gastronomie gehen im Eisacktal Hand in Hand. Hier liegt der Genuss direkt am Weg. Regionale Produkte stehen im Mittelpunkt und der Tisch ist reicht gedeckt mit hausgemachten Würsten, Schweinsrippen und Kraut, Schüttelbrot und Speck oder einer herzhaften (gewöhnungsbedürftigen) Gerstensuppe.
Farbenpracht
Die imposante Landschaft unterhalb der Geislerspitze leuchtet im Herbst besonders prächtig: An den Bäumen hängen rote und gelbe Äpfel, Weinreben verfärben ihr Laub und Trauben reifen zu erster Güte. Wälder und Wiesen hüllen sich in die schillerndsten Farben, leuchten Goldgelb und Grünrot. Jetzt ist die Zeit, die Ernte einzufahren. Neben Äpfel und Trauben werden im Eisacktal auch die Kastanien eingesammelt, die in Igeln geschützt, von den mächtigen und zum Teil uralten Bäumen fallen. Die Edelkastanie prägt die Südtiroler Region besonders zwischen Brixen und Barbian. Jahrhunderte lang bot sie eine kräftige Grundlage im eher kargen Nahrungsangebot der Bauern. Heute steht sie im Mittelpunkt herbstlicher Spezialitätenwochen, wo allerlei Leckerbissen zu einem guten Glas Wein gereicht werden.
Weinbotschaft
Besonders köstlich sind die Weine. Sie sind wichtigster Botschafter der Region, denn im Eisacktal hat der Weinbau eine lange Tradition. Die Höhenlage mit den sonnenverwöhnten Mittelgebirgshängen bringt einen typisch fruchtbetonten Weißwein hervor. Und dank der mineralhaltigen Böden und des eher trockenen Klimas herrschen im Eisacktal die idealen Bedingungen vor, um frisch-fruchtige und sehr gehaltvolle Weißweine reifen lassen. Sie werden seit Jahrhunderten von erfahrenen Bauern mit viel Fleiß und Wissen, Einsatz und Freude produziert: Sylvaner oder Müller Thurgau, Pinot Grigio oder Veltliner, Kerner oder Gewürztraminer. Am besten, man probiert sie alle und entdeckt so deren Vielfalt – besonders beim traditionellen Törggelen. Das Verkosten des neuen Weines mit gebratenen Kastanien und Eisacktaler Bauernkost in urigen Stuben von Oktober bis November ist uralter Brauch und gewinnt Jahr für Jahr mehr Freunde aus Deutschland hinzu.
> mehr über das Eisacktal (Valle Isarco)
Text: Renato Diekmann, Fotos: TV Eisacktal

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