Die Inseln des Lichts
Im Lebens-Rhythmus der Südsee
Trotz der geräuschvoll rotierenden Ventilatoren ist die Luft stickig heiß in der schmucklosen Halle des Flugplatzes Faaa auf Tahiti. Die Passabfertigung geht nur schleppend voran. Denn von insgesamt zehn Schaltern sind lediglich sieben geöffnet. Die Passagiere aus Europa, die bereits seit sechsunddreißig Stunden unterwegs sind, treten ungeduldig auf der Stelle. „C’est un autre rythme de vie“, tröstet Hélène, eine Pariserin, die schon über dreißig Jahre mit ihrem Mann auf Tahiti lebt und gerade von einem Besuch aus der alten Heimat zurückgekehrt ist.
Das Tor zum Paradies
Nach zähflüssigen Zollkontrollen öffnet sich endlich die Pforte zum Paradies: Zwei kaffeebraune Südseeschönheiten legen jedem von uns einen Kranz aus betörend duftenden Tiaré-Blüten um den Hals: „Das ist unsere Nationalblume, Iorana“, lächeln sie anmutig. „Herzlich willkommen auf den Inseln über dem Wind.“ Wir fahren durch das noch in tiefem Schlummer liegende Papeete und erleben auf dem Taharaa-Hügel einen atemberaubenden Sonnenaufgang.
Südseetraum und Farbenpracht
Die Matavaibucht ist in goldenes Licht getaucht, und in der Ferne schwebt im Morgendunst die Silhouette der Nachbarinsel Moorea. „Ein erregender Südseetraum aus allen Farben der Palette eines Malers – bald grün, bald blau, bald purpurn, bald von güldener Morgenröte umspielt“, schwärmte einst ein Poet unter den Südseereisenden.
Rapaa, unser dunkelhäutiger Chauffeur und Reiseführer, schält geschickt eine Ananas und bietet jedem eine Scheibe an: „Zuckersüß, zuckersüß sind die Früchte meiner Heimat“, singt er, und im Rapperstil geht die amüsante Führung weiter. Eine einzige Straße führt rund um Tahiti herum. Rechts und links nickende Palmen, üppiges Grün und eine einzigartige Farbsymphonie aus Blüten und Blumen. „Ts, ts, ts, der Flammenbaum hat es schon den großen Entdeckern angetan“, erklärt Rapaa und weist auf einen ausladenden, über und über mit feuerroten Blüten übersäten Baum hin.
Zum Gedenken der Entdecker
„Wusstet ihr eigentlich, dass gleich drei berühmte Seeleute Tahiti entdeckt haben?", fragt Rapaa, ohne die Antwort abzuwarten. "1767 kam der britische Kapitän Samuel Wallis und ein wenig später der Franzose Charles Louis de Bougainville. Das Schlusslicht bildete der berühmte James Cook". Um allen gerecht zu werden, setzten die Polynesier gleich drei Gedenksteine in den schwarzen Vulkansand der Venusbucht. Der mächtigste Berg der Insel, der 2241 Meter hohe Orohena, kommt in Sicht. Über seinem Gipfel ziehen dunkle Wolken auf. Kurz darauf geht prasselnder Regen nieder. „Nur ein Schauer“, beruhigt Rapaa. „Das ist noch ein Ausläufer der Regenzeit. Wenn wir im Musée Paul Gauguin ankommen, ist alles vorbei.“ Er behält Recht. Die große Anlage, auf der das Haus des Impressionisaten auf Hiva Oa en miniature originalgetreu nachgebildet wurde, liegt in strahlendem Sonnenschein.
Gauguin zog auf die Marquesas
Dorthin auf die Marquesas zog Gauguin, nachdem die Bürokratie der französischen Kolonialregierung ihm seinen Aufenthalt auf Tahiti gründlich vermiest hatte. Und eben dort starb er auch krank und ausgezehrt 1903. Leider gibt es im Museum kein einziges Original des Künstlers, dafür aber schöne Kopien. Gleich nebenan befindet sich der Botanische Garten, in dem sämtliche Pflanzen Tahitis wie in einem Brennglas versammelt sind (weiter Teil 2 "Das Paradies hat seinen Preis").
Text: Uta Buhr, Fotos: Bacchet, Hazamu, McKenna, Kirkland, Nyssen, Pesquie, Sekkaki, Sticklbaut (alle Tahiti Tourisme)

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