Immer an der Sonne

Sempre Sole! 

Ein azurblauer Himmel spannt sich über den  bläulich schimmernden Bergen, am Wegesrand blühen Mandelbäumchen.  Da entdecken  selbst prosaische Zeitgenossen ihre poetische Ader: „Wer nie in Bozen, Kaltern oder Meran war, hat das Tor zum Paradies noch nicht aufgestoßen!“ Die Geschäftsfrau aus dem Norden hat sich gerade auf dem Obstmarkt mit Äpfeln, Marillen und Kiwis eingedeckt. „In diesem Mikroklima gedeiht fast alles, was man in den Boden steckt“,  sagt sie, „übrigens ist jetzt Spargelzeit. Das ‚königliche Gemüse’ kommt aus dem nahen Terlan - das beste auf der Welt.“  Bozen ist eine Stadt der optischen und kulinarischen Genüsse. Bereits dem Geheimrat von Goethe gefiel das Labyrinth von Gassen und Gässchen, in denen sich ein spätgotisches Haus an das andere schmiegt.

Der Mann aus dem Eis

Den lebenslustigen Bewohnern bescheinigte er ein „wohlbehagliches Dasein.“ Unter den wuchtigen Arkaden, hier „Lauben“ genannt, heißt es, die Geldbörse festhalten. Allzu verführerisch sind die italienischen Schuhgeschäfte und Modeboutiquen. Unter dem Denkmal des Walther von der Vogelweide im Schatten der Domkirche halten wir Siesta  und besuchen anschließend den ältesten und wohl berühmtesten Südtiroler – den Ötzi. Für den „Mann aus dem Eis“ räumte die Banca d’Italia ihr Domizil und machte Platz für das 1998 gegründete Archäologiemuseum in der Museumstraße. Eine Gruppe deutscher Schüler  steht vor der gläsernen Vitrine, in der die lederne Mumie ruht. Nebenan sind die Reste seiner Kleidung sowie die fein gearbeiteten Gerätschaften ausgestellt, mit denen er vor 5300 Jahren auf die Jagd gegangen sein soll. „Megacool!“ Die jungen Leute sind tief beeindruckt.

Hinauf zum Sonnenbalkon

Das milde Klima war sicherlich der Hauptgrund für die frühe Besiedlung des Bergrückens oberhalb Bozens, der als „Monte Ritano“  875 in die Annalen einging. Der Ritten ist Südtirols älteste Sommerfrische. Bozener Aristokraten, reiche Kaufleute und Künstler suchten hier oben schon vor hunderten von Jahren Ruhe und Erholung. Auch heute ist die Bergidylle noch ein Ort ohne Hektik und Massentourismus. Die Fahrt im Auto führt über eine Reihe schwindelerregender Kurven auf Bozens „Sonnenbalkon.“ Eine hochmoderne  Kabinen-Seilbahn wird gerade gebaut und soll im Herbst dieses Jahres in Dienst gestellt werden. „Sie fasst fünfunddreißig Personen und verkehrt im 4-Minuten-Takt“, freut sich Peter Treibenreich, Direktor des Tourismusverbandes Ritten. „Sehleute“ kommen voll auf ihre Kosten.  Der Panoramablick auf die Dolomiten, die eisbedeckten Riesen des Alpenhauptkammes, die Samtaler Alpen und die Flusstäler der Talfer, Eisack und Etsch ist unvergleichlich. Am Fuße des Rittnerberges – auf  tausend Metern  Höhe -  liegt das berühmte Weinanbaugebiet St. Magdalena. 

Erstklassige Gewächse

Wem fallen bei Kaltern nicht die 2-Liter Rotweinflaschen vergangener Tage ein, die man beim Zelten am Kalterer See zur Grillwurst konsumierte? Inzwischen hat sich die Qualität des Weines erheblich verbessert. „Bei uns kommen nur  erstklassige Gewächse auf den Tisch“, sagt die Wirtin einer Vinothek: „Haben’s schon mal unser’n Lagrain probiert?“ Der edle Tropfen  funkelt rubinrot im Glas. Beschwingt überqueren wir den  Marktplatz und verbringen eine Stunde im Weinmuseum an der Goldgasse, das die Besucher mit seiner Vielfalt an Exponaten und gut verständlichen Erklärungen auf eine Spritztour über die Südtiroler Weinstraße einstimmt. Wir nehmen den Weg über Terlan, Eppan, Tramin und Kurtatsch. Auf dem Weingut Hofstätter in Tramin lassen wir uns eine Brettl-Jause schmecken. Zu Tiroler Speck und Schüttelbrot wird ein erstklassiger Gewürztraminer gereicht. „Den Weinanbau verdanken wir unseren Alt-Altvorderen, den Kelten, die uns die ersten Weinreben hinterließen“, schmunzelt der Mann hinter dem Tresen. „Es müssen ja nicht immer die Römer sein.“  Und nicht nur er begrüßt das selbstverständliche Nebeneinander zweier verschiedener Kulturen und Essgewohnheiten -  hier Pasta und Carpaccio, dort rustikale Schmankerln wie Schinkenspeck, Knödeln und Kaiserschmarrn.

weiter Teil 2 "Land der Burgen & Schlösser"

www.Südtirols Süden.info

Text: Uta Buhr, Fotos: Diekmann, Marketinggesellschaft Meran, TV Südtirols Süden mit Gemeinden Eppan, Lana & Ritten, z. T. fotografiert von Johannes Fein.