Ganz großes Kino

Messners Trutzburg

Südtirol ist ein Land der Burgen und Schlösser. Sie thronen inmitten einer atemberaubenden alpinen Landschaft wie Spielzeugkastelle auf Felsklippen. Auf dem Mitterberg nahe Bozen liegt die Trutzburg Schloss Sigmundskron, in der Bergsteiger-Legende Reinhold Messner im Juni 2006 sein viel beachtetes „Mountain Museum“ eröffnete. Unter Schloss Korb, einem eleganten pastellfarbenen Bauwerk, dehnen sich terrassenartig angelegte Weingärten. Und hoch oben am Berg klebt wie ein Adlerhorst die Ruine von Burg Boymont. Drunten in den Tälern wechseln weißgetünchte Kapellen mit prachtvollen, von haubenartigen Türmen gekrönten  Kirchen. Auf saftig grünen Wiesen ducken sich niedrige, reich mit Blumen geschmückte Holzhäuser. Ein Szenario wie aus einem Heimatfilm. Selbst die Kühe sehen aus, als wären sie für ihren Auftritt hergerichtet worden.

Kometenhafter Aufschwung dank Kaiserin Sisi

Welche die schönste Stadt im ganzen Land ist – Bozen oder Meran – liegt  im Auge des Betrachters. Meran  wurde 857 zum ersten Mal als „locus qui dicitur Mairania“ urkundlich erwähnt. In vorchristlicher Zeit von illyrisch-keltischen Volksstämmen besiedelt, später von den Römern erobert und zivilisiert, fristete die Stadt am Fuße des Küchelberges lange Zeit  ein  bescheidenes Dasein. Erst  ab 1830 entwickelte sich Meran zum Kurort, der nach dem  Besuch von Kaiserin Sisi einen kometenhaften Aufschwung nahm. Franz Kafka kurte hier und schwärmte in einem Brief an seine Verlobte Milena: „Was für ein Land ist das!“ Und Stefan Zweig empfand selbst die kalte Jahreszeit als „milden geruhigen Winter ohne Härte und Harm.“

Corso Libertá

Die Straße der Freiheit (Corso Libertá) ist ein von Nobelhotels, Restaurants und schicken Boutiquen belebter Prachtboulevard, gesäumt von einer Reihe kerzengerader Wintermagnolien. Über die Winterpromenade, entlang der kristallklaren Passer, spazieren wir  in den mittelalterlichen Stadtkern. Unter den schattigen Lauben herrscht schon am frühen Morgen reges Leben und Treiben. Touristen in Loden, schwere Bergstiefel an den Füßen, promenieren Seite an Seite mit nach dem letzten Schrei der italienischen Mode gekleideten Menschen. Die neue Therme – ein Kur- und Wellnesstempel   mit allen Schikanen – hat eine zweite „Belle Époque“ eingeläutet. In der Badeabteilung werden u.a. Radon-Heilbäder, Schlammpackungen und Massagen angeboten. Wir aalen uns in den warmen Fluten des Freibeckens und genießen die unvergleichliche Silhouette der sanften Gebirgskette, deren Gipfel von der Abendsonne vergoldet werden.

Die Keimzelle des Landes

Mit dem Sessellift geht es hinauf nach Dorf Tirol. Sanft schweben wir über Weinreben, das anmutige Meran  zu unseren Füßen. Nur ein Katzensprung ist es zum Schloss Tirol, der Keimzelle des Landes. Von hier aus, erklärt die Führung, hätten die Tiroler Grafen „das land im gepirg“ geeinigt. Das Schloss, inzwischen aufwendig restauriert und renoviert, birgt eine Reihe einzigartiger Schätze – Bilder, Reliefs und Mobiliar. Das Juwel der Sammlung ist der älteste Kinderschuh Europas – ein Stück zerschlissenen Leders, das den Wissenschaftlern bis heute Rätsel aufgibt. Ein steiler Weg durch dichtes Unterholz führt hinauf zur Burgruine Maultasch, dem einstigen Sitz von Margarete Maultasch. Die letzte Gräfin von Tirol lebte von 1318 bis 1369 und war eine schöne und stolze Frau, wie Bergführer Sepp bestätigt. „Auf den G’mälden  sieht’s schierch aus“, sagt er. Aber so  wurde sie  von bösartigen „Lackerln“  dargestellt, denn  die selbstbewusste Dame passte partout nicht in deren Konzept. Nach einem rutschigen Abstieg ins Tal  genießen wir mit Sepp einen kühlen Trunk: „Auf die G’sundheit“, sagt er. „Und kommt’s bald mal wieder in unser Alpenparadies.“ Schon versprochen.

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Text: Uta Buhr, Fotos: Marketinggesellschaft Meran, TV Südtirols Süden