Wo der Stress baden geht

Reise ins Wasser

Obwohl ich wie Treibholz auf der Oberfläche eines kreisrunden Schwimmbeckens liege, bin ich munter wie ein Fisch im Wasser. Während Arme und Beine entspannt am Körper baumeln, schaukel ich gemächlich in der salzhaltigen Sole, die mich warm und weich umschmeichelt wie eine zweite Haut. Nur Mund und Nase ragen aus dem Wasser. Ich werde von "Rosenrots" Händen getragen. Die Aqua Wellness Bodyworkerin, "Rosenrot" Mireille Schülpke, führt mich sicher und gefühlvoll durch das nasse Element. Ich brauche nichts mehr zu tun, als nichts zu tun. Mit ihrer Hilfe gleitet mein Körper durch die seichten Wellen sanft nach rechts und sanft nach links. Er wird behutsam hin und her geschwenkt, gewiegt, gedreht, gedehnt, gestreckt und für wenige Sekunden untergetaucht. Die leichte Massage am Nacken tut mir gut. Über mein Gesicht huscht ein zufriedenes Lächeln. Sphärische Klänge dringen an mein Ohr. Unter Wasser lausche ich den meditativen Melodien, vernehme den Gesang der Wale und Delphine, vergesse Zeit und Raum, während mein Körper von buntem Licht umspielt wird. Vertrauensvoll überlasse ich mich der Reise ins Wasser, fühle mich geborgen wie ein Baby im Schoß seiner Mutter, schwebe dahin und schwelge im Glück, das mich schwerelos umgibt wie ein wunderbarer Zauber. Baden in Musik und Licht. Nicht nur für mich ein besonderes Erlebnis und kostbares  Geschenk.

Sanus per Aquam

Aqua Wellness im Liquid Sound heißt die Session, die ich 90 Minuten lang erleben und genießen darf. Sie erlaubt mir nach innen zu gehen, mich fallen zu lassen, mich selbst zu spüren und zu finden. Eine Begegnung mit dem Ich, dem man viel zu häufig aus dem Weg geht, weil man ihm oft zu wenig zutraut und vertraut. Aqua Wellness im Liquid Sound bringt das Ich zurück ins Lot und die Energie zum Fließen, ist meditativ und entspannend, hat "Rosenrot" mir zu Beginn der Session versichert. Und sie hat Recht. Man muss nicht krank sein, um sich in die Obhut einer Aqua-Wellness-Bodyworkerin zu begeben. Grundsätzlich können alle Menschen von der Körperarbeit im Wasser profitieren: Gesunde lassen den Alltagsstress hinter sich, genießen die Leichtigkeit des Seins im Solebad, tanken mental und physisch auf, fühlen sich erfrischt und verjüngt. Auch zur Vorsorge und Linderung chronischer Leiden wie Rheuma, Arthritis und Migräne, Schlafstörungen und psychosomatischer Erkrankungen kann Aqua Wellness erfolgreich eingesetzt werden. Aqua Wellness im Liquid Sound lädt auf jeden Fall dazu ein, sich mit der heilenden Energie und Kraft des Solewassers in Bad Orb vertraut zu machen.

Therme mit Flair 

Wie neu geboren, entsteige ich dem Bade. Beseelt und glücklich. Der Liquid Sound Tempel ist ein hoher, planetarischer Kuppelbau, der den Badenden in eine kunstvolle Inszenierung von Klang, Licht und Farbe taucht. Der feuchte Konzertsaal ist Teil des Gesundheitskonzepts der Toskana Therme in Bad Orb. Der futuristische Bau fügt sich harmonisch ein in das malerische Wiesental entlang der Orb und erinnert mit seiner imposant geschwungenen Dachkonstruktion aus purem Holz an die hügelige Landschaft des Spessarts. Die Frischzellenkur für den einst am Tropf hängenden Kurort zwischen Frankfurt und Fulda hat angeschlagen, verkündet Kur-Geschäftsführer Dr. Jörg Steinhardt erfreut. Neun Monate nach Eröffnung der dringend benötigten Toskana-Therme floriert der Gesundheitstourismus wieder. Die Übernachtungszahlen haben deutlich zugelegt und das Wellness-Bad zieht derzeit mehr Besucher an als kalkuliert. Dank der umfassenden Gesundheits- und Freizeitangebote hat Bad Orb viele neue Gäste gewonnen, darunter auch jüngere, so Steinhardt stolz.

Ostseeklima im Spessart

In Bad Orb steht auch das größte noch bestehende Gradierwerk Hessens. 155 Metern lang, 12 Meter breit und 18 Meter hoch, überragt das letzte von 10 Technikdenkmälern aus der Zeit der Salzgewinnung den klassischen Kurpark, der vor mehr als 100 Jahren im Stil eines englischen Landschaftsgartens angelegt wurde. Das ortsgebundene Heilmittel, die Bad Orber Sole, rieselt im Gradierwerk rund um die Uhr über den Schwarzdornreisig (besser bekannt als Schlehe) zu Boden und versetzt die Besucher in dem Freiluft-Inhalatorium in ein Klima wie an der Ostsee. Hier finden vor allem Allergiker Entlastung. Die feinen Salzkristalle in der Luft binden Staub und Pollen, befreien die Atemwege und lassen die Schleimhäute abschwellen. Am Rande des Kurparks wartet zudem noch eine weitere "gesunde" Attraktion: Deutschlands längster Barfußpfad. Er führt 4,5 Kilometer über Rasen und Wiesen, Schlamm- und Mulchfelder, Sand und Flusskieselsteine, trockenen Waldboden und Rundholzpalisaden, durch Bäche und moorige Tümpel bis zum Wildpark. Dort entdecke ich seltene Wisente und zutrauliches Rotwild, beobachte Kinder, die behutsam das Fell von Ziege und Esel streicheln.  

Stadtrundgang

Zeugen der Vergangenheit gibt es in Bad Orb genug. Zu Fuß erkunde ich die sehenswerte Altstadt. Mein Weg führt mich vom Hotel an der Therme vorbei an Gradierwerk, Zollhaus der Saline und Altes Rathaus zu den historischen Gebäuden des klassischen Kurortes, etwa zu den wunderbar erhaltenen Patrizierhäusern in der Hauptstraße und den Fachwerkhäusern rund um den Marktplatz. Ich besuche die gotische Hallenkirche St. Martin und bestaune Hessens kleinstes Fachwerkhaus, das an der schmalsten Stelle gerade mal 1,58 Meter misst. Auf meinem Rückweg inspiziere ich Stadtmauer und Brunnentempel mit seinen zwei Salzquellen, durchforste kleine Läden, überquere mehrmals die Orb, die gemächlich durch den Ort fließt, besuche ein Café und stoße schließlich auf das üppig dekorierte Haus Goldenes Rad mit dem Wendelinusbrunnen vor der Haustür. In der ehemaligen Gastwirtschaft hat der Apotheker Franz Leopold Koch, der Begründer des Heilbades, seine Frau kennengelernt. Nach mehr als 200 Jahren beherbergt das Gebäude bis unters Dach Devotionalien und kostbare Antiquitäten aus verschiedenen Epochen.

Logieren am Kurpark

Mein Hotel an der Therme erinnert mit seiner eintönigen Betonfassade an den Charme der Siebziger Jahre, ist aber innen von Grund auf renoviert worden und ein elegantes Urlaubsdomizil mit geräumigen, freundlich eingerichteten Zimmern plus Balkon und Aussicht auf die grüne Parklandschaft am Rande des Spessarts. Die Toskana Therme mit mehreren Schwimmbecken und großzügiger Saunalandschaft ist für den Hotelgast über den angegliederten Wellnesspark jederzeit trockenen Fußes erreichbar. Kurpark, Gradierwerk, Konzerthalle und Barfußpfad beginnen direkt vor der Haustür. Bei schönem Wetter sitze ich draußen auf der Terrasse, blicke bei Kaffee und Kuchen auf Platanen und hundertjährige Eichen, genieße nach dem Saunagang leichte vitale Kost im Thermenrestaurant „Il Ristorante“ oder französische Gerichte im lichtdurchfluteten Restaurant „Kurpark“, schlürfe Sherry Dry an der Foyer-Bar und lasse den Abend mit einem erlesenen Wein in der modern gestylten Vinothek gesellig ausklingen.  

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Text: Renato Diekmann, Fotos: Renato Diekmann (12), Bad Orb/Toskanaworld (11)