Vitalität & Lebenslust

Biopsiefreie Diagnostik

Es kann jeden betreffen

Mit über 45.000 Neuerkrankungen jährlich ist Prostatakrebs eine der häufigsten Krebsarten bei Männern in Deutschland. Bekannte Persönlichkeiten, die an Prostatakrebs erkrankt waren und sich öffentlich dazu bekannt haben, sind z. B. Nelson Mandela, Francois Mitterrand, John Kerry, Harry Belafonte, Colin Powell oder Oskar Lafontaine. Zum Glück ist Prostatakrebs aber immer besser behandelbar und auch in der Diagnose sind große medizinische Fortschritte erzielt worden. Diese lassen hoffen, dass in absehbarer Zeit die von vielen Männern gefürchtete Biopsie - eine Gewebeentnahme aus der Prostata – überflüssig oder zumindest auf ein Minimum reduziert werden kann.

Risiko minimieren

Auf der kürzlich stattgefundenen Gründungstagung des Arbeitskreises „Biopsiefreie Diagnostik des Prostatakarzinoms“ in Heidelberg, wurde der aktuelle Stand der Forschung von namhaften Experten diskutiert und die Zielsetzung formuliert, in zehn Jahren die Biopsie komplett durch sicherere, berührungsfreie und schmerzlose Verfahren abzulösen.

Der Initiator des Arbeitskreises, Dr. Joachim-Ernst Deuster, klinischer Direktor der Klinik für Prostata-Therapie in Heidelberg, kennt die Probleme der Biopsie genau: Sie ist risikoreich, beim ersten Mal nur zu etwa 30 Prozent treffsicher, birgt Infektionsgefahren, da die sogenannten Stanznadeln mehrfach durch die Darm-wand zur Prostata durchgestochen werden müssen, und sie ist für den Patienten eine schmerzhafte Prozedur.

Welches sind nun die Alternativen um herauszufinden, ob die Wucherung der Prostata gut-oder bösartig ist? Es sind zum einen ein neuer Urintest, der ein bestimmtes Prostatagen, das PCA3, ermittelt und zum anderen eine Reihe technisch verbesserter bildgebender  Verfahren. Hinzu kommen noch einige molekular-genetische Tests sowie ein Verfahren zur Früherkennung von Tumorzellen im Blut.

PCA 3 Test

Zu den wichtigsten Neuerungen gehört zweifellos der PCA 3 Test, der in klinischen Studien die Möglichkeit einer frühzeitigen Diagnose von Prostatakrebs eindeutig bewiesen hat. Dieser genetische Urintest ist präziser als der PSA Bluttest, betont Dr. Jan Bartel vom Labor Limbach in Heidelberg. Auch die Uniklinik Tübingen arbeitet mit diesem Test und wertet die Proben anderer Kliniken in ihrem Labor aus. Der genetische Marker PCA3 kommt in krebsartigen Prostatagewebe verstärkt vor und liefert zugleich je nach Höhe des ermittelten Wertes – des sogenannten PCA3-Scores – auch Informationen über das Volumen des Tumors.

Bildgebende Verfahren

Bei den bildgebenden Verfahren ist das Cholin-Pet/CT eine hervorragende Möglichkeit sowohl Tumorgewebe in der Prostata als auch mögliche Metastasen im Körper zu entdecken. Forscher haben herausgefunden, daß die Konzentration von Cholin, einem Stoff, den wir auch mit der Nahrung, etwa mit Eiern, aufnehmen, in deutlich erhöhter Form in Tumoren jeder Art zu finden ist.  Das Verfahren hat eine hohe Sensitivität, betont der Stuttgarter Nuklearmediziner Dr. Heiner Bihl.

Ebenfalls aufschlussreich ist die Magnetresonanz-Spektroskopie, mit der die Gewebszusammensetzung der Prostata in dreidimensionaler Form dargestellt wird. Bösartige Tumoren werden hier unter anderem auch über den erhöhten Cholingehalt erkannt.

Als weiteres bildgebendes Verfahren zur Diagnose von Prostatakrebs kommt noch die Ultraschall-Elastographie zum Tragen: Über den Enddarm wird eine Spezialsonde eingeführt, die die Prostata von Hand leicht unter Druck setzt. Durch Kompression und Dekompression und dem gleichzeitigen Beschallen mit Ultraschall entsteht ein Echo, bei dem der Tumor  auf dem Bildschirm als dunkle Fläche erscheint. Anschließend wird über eine spezielle Software die Elastizität des Gewebes ermittelt. Verhärtetes Gewebe deutet dabei auf einen Tumor hin, weicheres Gewebe dagegen ist gesund.

Blutanalyse

Als bislang letzte neue labortechnische Diagnose kommt noch ein neuartiges Verfahren zur Früherkennung von Tumorzellen im Blut zum Tragen. Die von der onkologischen Forschung  der Universität Jena unter Mitwirkung der Krebsexpertin Prof. Katharina Pachmann entwickelte Methode, bereitet die Blutproben auf: Dabei werden die mit Fluoreszensfarbstoff markierten Tumorzellen mittels Laser-Scanning-Zytometrie gezählt. Vorteil dieses Verfahrens ist, dass selbst geringste Mengen an Tumorzellen festgestellt werden können.

Fazit

Dem Ziel einer schonenden, sicheren und schmerzfreien Diagnose von Prostatakrebs sind wir mit all diesen bildgebenden Verfahren, dem neuen PCA3-Test und dem Bluttest schon ein gutes Stück näher gekommen, erklärt der Urologe Dr. Thomas Dill. Jetzt gilt es, diese Diagnoseformen gleichsam modulförmig und stufenweise zur  Bestimmung des Prostatakarzinoms auch regelmäßig einzusetzen, um die einfache Frage, Tumor oder kein Tumor frühzeitig und sicher zu beantworten.

Video unter  www.youtube.com/watch?v=Auvi1qm5DwQ

 

Weitere Infos:

www.labor-limbach.de

www.med.uni-jena.de

www.prostata-therapie.com

www.dkfz.de

www.laborpachmann.de

www.bilddiagnostik.de

 

 

Text: Achim Simon, Fotos: Heidelberger Klinik für Prostata-Therapie / M.Boeckh (7), gamana (1), Kirchschlag (1)