Vitalität & Lebenslust

(Zahn)Gesundheit in Europa

Zahnschmerzen

Trotz ihrer scheinbar robusten Struktur gehören Zähne zu den (schmerz)empfindlichsten Körperteilen. Dies liegt an den ausgeprägten, feinen Nervensträngen in jedem einzelnen Zahn. Wie empfindlich Zähne sein können, zeigt sich häufig bei der Einnahme von heißer oder kalter Nahrung. Besonders schmerzhaft reagieren Zähne bei freiliegenden Zahnhälsen.

Ursachen für Zahnschmerzen sind häufig fehlender Zahnschmelz, Karies und entzündliche Krankheiten wie Parodontitis, aber natürlich auch rein mechanische Verletzungen und Beschädigungen wie Kronen- und Wurzelfraktur oder herausgeschlagene bzw. herausgebrochene Zähne. Gefördert wird die Erkrankung der Zähne durch den hohen Anteil an Mikroorganismen, insbesondere Bakterien, die sich bei der Nahrungsaufnahme in der Mundhöhle und zwischen den Zähnen einnisten. Speisereste, Feuchtigkeit und die relativ geringe Dichte an körpereigenen Antikörpern (auch im Speichel) begünstigen das Milieu für Entzündungen und Zahnerkrankungen. In seltenen Fällen kann akut auftretender Zahnschmerz sogar Symptom eines Herzinfarkts sein, warnt Wikipedia.

Zahnpflege

Regelmäßige und gründliche Zahnpflege reduziert die Menge an schädlichen Bakterien im Mundraum erheblich. Auch beginnende Schädigungen lassen sich damit aufhalten und manchmal sogar zurückbilden. Bereits stark angegriffene, schmerzende Zähne müssen allerdings vom Zahnarzt behandelt werden, je nach Ursache durch Füllungen, eine Wurzelkanalbehandlung oder Parodontitisbehandlung.

In der Zahnmedizin verhindert die Angst vor Schmerzen, dass sich die Patienten einer Behandlung unterziehen und zugleich bilden Schmerzen den Hauptgrund für einen Besuch beim Zahnarzt, erklärte Professor Ahmed Feki auf dem 14. IZZ-Presseforum Anfang Juli in Straßburg.

Schmerztherapie

Um sich der Patienten optimal annehmen zu können, muss der Arzt die Ursache des Schmerzes sorgfältig ermitteln, zwischen akutem und chronischem Schmerz unterscheiden und die Art des Schmerzes einordnen können, um die Behandlung entsprechend darauf abzustimmen. Deshalb muss jedem Patienten, der über Schmerzen klagt, zugehört und geglaubt werden, um ihm zu helfen. Ahmed Feki, Professor an der Fakultät für Zahnheilkunde in Straßburg, verwies in diesem Zusammenhang auf die gesetzlichen Gesundheitsvorschriften, wonach jeder Bürger in einem Mitgliedsstaat der Europäischen Union gesetzlich Anspruch auf eine fachgerechte Schmerztherapie hat.

Zahngesundheit

Um die Krankenversicherung der Zukunft in der Europäischen Union ging es in einem Vortrag der deutschen Europaabgeordneten Evelyne Gebhardt, MdEP, vor Fachjournalisten im Europaparlament, zu dem das Informationszentrum Zahngesundheit Baden-Württemberg (IZZ) eingeladen hatte.

Wer sich im europäischen Ausland die Zähne behandeln, eine neue Hüfte einsetzen lassen oder einen Spezialisten aufsuchen will, soll künftig sicher sein können, dass er die Kosten hierfür von seiner Krankenkasse erstattet bekommt. Dies sieht ein jetzt von der Europäischen Kommission vorgelegter Richtlinienvorschlag zu den Rechten der Patienten bei Auslandsbehandlungen vor. Das Regelwerk soll Mindeststandards für die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung innerhalb der EU vorgeben

Patientenmobilität

Die Höhe der dem Patienten für eine Auslandsbehandlung zustehenden Summe soll sich dabei nach den im Heimatland des Versicherten geltenden Erstattungssätzen richten.
Sowohl ambulante als auch stationäre Therapien sollen grundsätzlich ohne vorherige Genehmigung durch die Krankenkasse möglich sein. Für Krankenhausbehandlungen sollen die EU-Länder aber eine Vorabgenehmigung verlangen dürfen, wenn sie belegen können, dass die Kostenerstattung die finanzielle Stabilität und Planungssicherheit des heimischen Gesundheitssystems gefährdet.

Mit den Vorschriften wolle die Brüsseler Behörde die Mitgliedstaaten der EU dazu verpflichten, sich an die Rechtssprechung des Europäischen Gerichtshofs zur Patientenmobilität zu halten, ohne die nationalen Gesundheitsgesetzte jedes einzelnen EU-Staates anzutasten, versicherte Evelyne Gebhardt.

Referenznetzwerke

Außerdem wollen die Abgeordneten des Europäischen Parlaments für mehr Transparenz im Gesundheitswesen sorgen. So sollen sich die Patienten bei nationalen Kontaktstellen über die Versorgungsangebote im In- und Ausland, die Qualität und Preise der Leistungen sowie Haftungsansprüche nach etwaigen Behandlungsfehlern informieren können. Ferner sollen Kassenpatienten rezeptpflichtige Medikamente auch bei Apotheken im EU-Ausland auf Kostenerstattungsbasis erwerben können. Patienten mit seltenen oder sehr schweren Erkrankungen sollen zudem von einer europaweiten Kooperation von Spezialisten profitieren. Geplant sind auch "Referenznetzwerke", in denen Ärzte ihr Know how austauschen und EU-weit zugänglich machen.

Informationspolitik

Derartige Netzwerke gibt es bereits. So arbeitet die Zahnärzteschaft Baden-Württemberg mit den Kollegen im französischen Elsass erfolgreich zusammen. Der intensive Kontakt über den Rhein liefert beiden Ländern hinsichtlich der Behandlung von Patienten wichtige Impulse. Lehrreiches Beispiel war das 14. IZZ-Presseforum in Straßburg, wo Journalisten über die Berufs- und Gesundheitspolitik beiderseits des Rheins von Experten aus Frankreich und Deutschland informiert wurden. Dabei blickte das von Johannes Clausen organisierte Forum nicht nur hinter die Kulissen einer (zahn)wissenschaftlichen Einrichtung, sondern bezog auch Straßburg und seine europäische Bedeutung mit ein. Bei einem Streifzug durch die geschichtsträchtige Stadt besichtigten die Gäste das Europaparlament und den Cave Historique Hospices Strasbourg. In dem betagten Weinkeller unterhalb des Krankenhauses lagert bis heute ein seltenes Sortiment erlesener Weine aus dem Elsass. Die edlen Tropfen – in uralten Eichenfässern über Jahrhunderte gereift – bezeugen eindrucksvoll, welchen Rang der Wein in der Geschichte des Krankenhauses einnahm: Neben medizinischer Versorgung, guter Ernährung, moralischer und religiöser Betreuung stillte der Wein den Durst, den Schmerz und das Leid – in der Hoffnung auf bessere Tage voller Gesundheit.

> mehr über Zahngesundheit & Prophylaxe

 

Textbearbeitung: Renato Diekmann, Fotos: Diekmann, GABA, IZZ, Kuratoirum perfekter Zahnersatz, ProDente/Meridol,